Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- Seite 537 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Mischna. 537 über die Notwendigkeit einer neuen Verordnung oder Erklärung. Zuweilen waren sogar die Gelehrten der Schulen Schammais und Hillels anderer Ansicht als Hillel und Schammai selbst. In unserer Mischna sind die Aussprüche der späteren Tannaiten zur Urmischna hinzugefügt. Von ihr wird wie von einer alten Überlieferung gesprochen (אמרו חכמים ,אמרו). Die Urmischna wird teils in ihrer ursprünglichen Gestalt angeführt, teils in der Fassung des einen Wortführers der des anderen Wortführers gegenübergestellt. Die Schulen Schammais und Hillels lehrten die Mischna in ihrer Überlieferung und Fassung und so, wie sie die Entscheidung und den Ausdruck erläuterten und ihre eigenen Erklärungen, Definitionen und Meinungen in den Text hineininterpretierten. Von nun an gab es eine Mischna der Schule Hillels und eine Mischna der Schule Schammais, abgesehen von den Varianten in Überlieferung und Lesart bei anderen Gelehrten. Vielleicht sind uns Kontroversen nur dann überliefert, wenn sie sich inhaltlich auf die praktische Entscheidung bezogen, während man auf die Überlieferung bloßer Verschiedenheiten. im Ausdruck jetzt keinen Wert mehr legte. Zur Zeit Hillels und Schammais zerfiel zweifellos die Mischna schon in sechs Ordnungen in der uns vorliegenden Reihenfolge. Die Ordnungen waren schon wie heute in Traktate eingeteilt. Einzelner Gelehrten Spezialleistung war es, einen bestimmten. Traktat zu redigieren, die Lesart festzulegen und sie zu ordnen und dann Zusätze über Dinge zu machen, die sich in der Urmischna noch nicht befanden. Manche Mischnajoth, in denen die Tempelbeamten in dieser Epoche oder der König Agrippa erwähnt werden, müssen aus dieser Zeit stammen. Wir kennen Rabbi Simon aus Mizpa, der im Traktat Joma den Abschnitt über den Kult am ♦Jom Kippur geordnet hat (vielleicht, damit die Diaspora am Jom Kippur die Ordnung des Kults lesen konnte), und Rabbi Elieser ben Jacob, der die Traktate Middoth und Thamid redigierte. Sie verfaßten diese Traktate nicht etwa, sondern redigierten sie bloß und bereinigten den Text. In einem der apokryphischen Bücher (dem 4. Buch