Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- Seite 534 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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534 Die Misclma. gaben jetzt die Tannaiten die Misclma weiter. Jeder Lehrer überlieferte seinen Schülern die überkommene Mischna, erklärte sie und erläuterte ihre Grundbegriffe, suchte nach ihren Grundlagen, traf nach ihr Entscheidungen und gab dem Leben Richtung. Die geistige Arbeit dieser Zeiten war anonym, die!Namen der tlberlieferer und der Empfänger, die!Namen der Lehrer und der Schüler stehen nicht auf ihrem Werk. Die größten Gelehrten sind der Vergessenheit anheimgefallen. Nur bei Beschlüssen und Verfügungen des Gerichts, über die man abstimmte, wurden wenigstens die Häupter der Zeit erwähnt. ״Da unter den Alten keine Kontroversen bestanden, sind ihre Namen unbekannt1 ״). Die Zeit wurde durch ihr Haupt personifiziert und mit dessen Namen zitiert. Die Lehre dieser Epoche war durchaus mündlich. Grenzen zwischen einer Generation und der nächsten, zwischen dem Überlieferten und dem Neuen gab es deswegen nicht. Ihre Leistungen senkten sie alle in die Mischna. Auch die Urmischna selbst hat daher sicherlich nicht in einer Epoche ihre volle Pracht, Gestalt und Färbung erhalten. Gleich nach der Ordnung der Urmischna erbebte das Land unter Kriegswirren, Parteihader und Bürgerkrieg, es kam die Ara der äußeren Verfolgungen. Die Lehrer unterrichteten zwar, und die Schüler lernten, aber nicht immer brachten sie ihr Studium zum Abschluß, und manchmal mußten die Weisen vor dem Druck der Zeit ins Ausland wandern. So konnte es nicht ausbüeiben, daß in der Überlieferung der mündlichen Lehre Unterschiede in der Lesart des Wortlauts entstanden. Unmerklich drückte der Lehrer den Stempel seines Stils den Worten der Mischna auf, oder der Schüler nahm ihn in den Wortlaut des Lehrers hinüber. Die Schüler fügten ebenfalls den Worten des Lehrers manches hinzu, und ihre Schüler taten das gleiche. Und berichteten nun mehrere Lehrer und gab es mehrere Traditionsketten, so mußten mehrere Versionen entstehen; Zweifel über die Definierung und Erläuterung der Mischna- A) Iggereth d’ßabbi Scherira Gaon I 1.