Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- Seite 529 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Mischna. 529 2. Die Urmischna. Der halachische Midrasch war natürlich nicht untergegangen•ל aber im allgemeinen war die Entwicklung des eigentlichen Midrasch, der neue Vorschriften aus der Thora selbst ableitet, abgeschlossen. Die Epoche der ״Paare;i. die der Epoche der Ssof?rim folgte, war eine Epoche der inneren und äußeren Wirren und Unruhen, es war die Zeit der Hellenisten und Sadduzäer, und der eigentliche Midrasch brach ab. Die Weisen begannen die Mischna zu lernen, sich in sie zu versenken und sie zu erläutern, und wenn ihnen nunmehr eine Entscheidung fehlte, so wandten sie sich an die Mischna, um aus ihr den neuen Rechtssatz zu gewinnen: der Tanna nahm den Platz des Ssofer ein. Des Tanna Amt war es, die Überlieferung zu bewahren, die überlieferten Mischnajotli zu lernen, mit ihrer Erklärung sich zu befassen und Rechtsfälle auf Grund ihrer zu entscheiden. Der Tanna gewann die Resultate der Arbeit der Ssof?rim und war ihr rechter Erbe. Bei zweifelhaften Fällen indessen durchforschten auch die Tannaiten den Midrasch der Schriftverse, der gewöhnlich ebenfalls überliefert wurde, um die Grundlage der Überlieferung zu kennen, und wenn der ursprüngliche Midrasch, der die Vorschrift abgeleitet hatte, vergessen war, so erneuerten sie ihn aus dem System ihrer Überlieferung. Doch im Grunde wiederholte (שנה) der Tanna die Überlieferung. Das Verbum שנה, das ursprünglich ״wiederholen, einschärfen (vgl. auch שגן)*" hieß, nahm nun die Bedeutung ״lernen“ an. משנה heißt nun ״lernen, mündlich wiederholen“, ist das Lernen xoct* Sie wurde für alle, die ins Lehrhaus kamen, das mündlich zu erlernende Pensum. Zur Zeit der Amoräer nannte man die Mischna griechisch: Bsovsp«<71$ d. h. Wiederholung der Thora, und im Mittelalter erklärte man irrtümlich ״Mischna“ von dem Ausdruck משגה למלך, Vizekönig, ״denn die schriftliche Lehre ist der König und die Mischna ihr Statthalter“ 1). In Wirklichkeit heißt aber Mischna einfach ״Lernen“. Die Urmischnah, die zur Zeit der ״letzten der großen l) Vgl. G-raetz Bd. IV, Note 2.