Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- Seite 528 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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528 Die Mischna. denen nur ein winziger Schriffcvers gehörte, aber umfangreiche Vorschriften der mündlichen Lehre. In dem Maße, in dem sich Überlieferungen und Entscheidungen mehrten, in demselben Maße mehrten sich auch die Sätze, die in der Luft schwebten und keinen Anlehnungspunkt fanden. Durch solche Halachoth wurde der Unterricht schwerer, und in den Tagen der Ssof;rim begann eine neue Lehrmethode sich bahnzubrechen. Viele Vorschriften wurden nun abstrakt vorgetragen, ohne Anlehnung an einen Schriffcvers und ohne Erwähnung des Verses, von dem sie abgeleitet waren. Um die Erinnerung trotz der Mündlichkeit zu erleichtern, wurden sie in besondere, das Gedächtnis unterstützende Form gebracht. Vorschriften, die ähnliche Momente enthielten, wurden zu einer bestimmten Zahl zusammengestellt, entsprechend der von jeher bei den Weisen üblichen Form der Zahlensprüche; die Zahl und der Gleichklang im Ausdruck sind für das Behalten solcher Dinge nützliche mnemotechnische Mittel. Auch solche Lehrstücke sind in unserer Mischna erhalten, und durch sie kennen wir diese Lehrmethode in ihrer wunderbaren Kürze. Die Form der .,Zahlenmisehna“ ist ein Zeichen des Alters. Diese Lehrmethode kam unter den Ssofrim auf, und da die Überlieferungen und Halacha-Sätze aus sich selbst heraus an wuchsen, so mehrte sich ganz allmählich die Zahl der abstrakten Halachoth, und sie zu behalten wurde immer schwerer: es entstand das Bedürfnis, die einzelnen schwebenden Sätze zu ordnen, um sie durch ihre Ordnung vor Vergessenheit zu bewahren. Ohne Ordnung konnte der Lehrer die überlieferten Vorschriften mit seinem Schüler nicht durchnehmen. Der Übergang von einer Lehrmethode zur anderen ging sicher nicht plötzlich vor sich, sondern sehr langsam, und vielleicht wurden die verschiedensten Versuche angestellt, bis am Ende der Zeit der Ssof'rim. in den Tagen der ״letzten der großen Synode״ oder zu Beginn der Zeit der ״Paare“, alle alten Überlieferungen, alle überlieferten Erläuterungen und alle alten überkommenen Verordnungen und Bestimmungen in der ״Urmischna“ (משגה ראשונה) geordnet wurden.