Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- Seite 513 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2292929-2292989-2292995--03815-2297096- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Erzielrangsfragen. oder sein muß. Müssen wir nicht auch die Kraft zur Selbst- Überwindung aufbringen, dieser Bewegung Dank zu sagen, daß sie in uns manches schlummernde Gefühl geweckt und uns an so manche etwas vernachlässigte Pflicht erinnert hat? Wenn aber wahr wird, was wir fordern: die intensive Beschäftigung der Jugend mit unserem heiligen Besitz in gesundem Milieu, wenn Haus und Schule, Freundeskreis und Gemeinde wieder den reinen Atem des alten Judentums in ihre Lungen leiten, ist dann nicht mehr Sicherung gegen jene Elemente, die überall, also auch in der nationalistischen Bewegung rege sind und sich gegen Gott und seinen Willen stellen und die Bande zerreißen wollen, erzielt als in der Bestärkung zum Parteikampf? Gegen jene kleinen Gernegroße wird der gesunde in jüdischem Denken und Fühlen gereifte Jüngling gefeit sein und wird, wie sein im Himmel thronender Schöpfer, der Spötter und sich titanenhaft gebärdenden Zweifler lachen. Ich bin mir bewußt, daß ich mit der Rückkehr in das Elternhaus und die Schule neue Probleme aufgebe. Die jüdische Schule ist in Deutschland eine sporadische Erscheinung, und selbst wo sie existiert, dem Ideal sehr fern. Das Elternhaus aber ist den großen Kulturfragen meist nicht gewachsen. Nun, ich meine, eines könnte immerhin geleistet werden und würde zu schnelleren Erfolgen als die Politisierung führen: die Neugründung von Schulen und deren Umgestaltung im Sinn der Hebraisierung (s. meinen 1. Aufsatz). So könnte in kurzer Frist eine Generation heranreifen, die auch die andere wesentliche Komponente, das Elternhaus, zu einem segensreichen Quell jüdischer Erziehung wieder werden läßt. Etwas Geduld ist freilich nötig, wenn man Massenerfolge und Wiedergeburt der gesamten deutschen Judenheit — oder doch ihres gutwilligen Teiles — sehen will. Wer keine Zeit hat, für sich und seinen nächsten Kreis den Prozeß des Erwachens abzuwarten, der findet auch hierzulande Wege genug, um schneller ans Ziel zu gelangen. Und darf gewiß sein, von allen, denen es Ernst ist um unsere Zukunft, als guter Bundesgenosse be-