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Jeschurun · 1919-11-01 · Heft 11-12 (November 1919) · p. Seite 512

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 11-12 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
Seite 512 (sequence 14)
Language
German
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512 Erziehungsträgern unseres Volkstums die Zersplitterung und die Gruppenbildnng zum System erheben. Wir müssen darauf bedacht sein, die Tatsache des Volksseins als zweifelsfrei hinzustellen, und da genügt es, die Kinder dahin zu belehren, daß leider durch Zersetzungsprozesse, die Angriffen von außen und Erschütterungen von innen ihr Dasein verdanken, das jüdische Volk eine schwere, verhängnisvolle Periode der Uneinigkeit und Gefährdung durchmacht. Der Jugend den Zionismus als den gefährlichsten Gegner des Judentums hinzustellen, wie es leider auch jetzt noch vielfach geschieht, ist nicht nur ein hartes und frühe Feindschaften zwischen befreundeten Häusern verursachendes Experiment, sondern nach meiner Überzeugung historisch vollkommen unzutreffend und ungerecht — um nicht zu sagen unwahr. Ich halte es geradezu für ein Gebot der Ehrlichkeit und der Vorbereitung zur Versöhnung, die geschichtlichen Verdienste gebührend zu rühmen. Soweit ich die Verhältnisse überblicke, ist durch den Zionismus — ganz gewiß der organisierten Orthodoxie — nicht aber dem Thoraideal ein erheblicher Schaden zuteil geworden. Auch in Rußland nicht. Denn wo dort der Zionismus jene radikalen Formen angenommen hat, die wir bei den צעירי ציון oft tadeln müssen, da ists eben der schon vorhandene Radikalismus, der dem Zionismus die destruktive Haltung gegeben hat. Denn seien wir doch ehrlich; der Prozeß der Entthronung der Thora datiert dort von jenen Tagen her, da die Haskalah sich vor mehreren Jahrzehnten zum Kampf erhob und die Führer des historischen Judentums nicht ausreichend Gegengewicht boten. Für viele Tausende ist der Zionismus das Milieu der Erneuerung geworden, für viele, die ganz verloren waren. Einen Schutzreflex des gefährdeten jüdischen Volkes sehe ich in der nationalen Bewegung, durch den unser Volk tatsächlich die Gefahr des völligen Zusammenbruches und der Kapitulation vor Europa und der Kultur der Gegenwart zu bannen gewußt hat. So und nicht vom engherzigen Standpunkt des Parteikampfes muß man eine Bewegung werten, die ja in ihren Forderungen — wenigstens den allgemeinsten — keine Feindin unserer Überzeugungen ist

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