Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- Seite 507 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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ErziehtLD gsfragen. 507 elterlichen Haus und der Stätte der Erziehung und zieht sie in ein Lager, wo gewiß Großes geleistet wird, wo aber der kindlichen Seele unentbehrliche Werte versagt bleiben. Die individualisierende Liebe, die nur Erzeuger oder begnadete Erzieher Kindern angedeilien lassen können, fehlt im Vereinsleben׳. Das Elternhaus, mag auch noch so vieles dort mangelhaft sein, kennt doch nur den Wunsch, das Kind zu fördern, zwischen Geschwistern pflegt die Rivalität den ertragliehen Grad zu besitzen. In Jugendvereinen kommt allzu früh Herrschsucht auf; es ist der Fluch des Menschengeschlechts, daß selbst in die edelsten Bestrebungen und einwandfreie Charaktere sich der Sache schädliche Momente eindrängen: Ehrgeiz, Führ erstreben und Neid. Es fehlt dem Milieu des Vereins die Möglichkeit, diese Gefahren fernzuhalten. Gewiß erwachen auch im engen Kreis der Familie diese häßlichen Züge. Aber wieviel leichter gelingt es, durch Mahnung und Belehrung ihnen Einhalt zu gebieten! Es ist des weiteren ein nicht zu unterschätzendes Glück, daß das Kind recht lange geführt wird: im Haus wird ihm das Gefühl der Unselbständigkeit oft und für lange Zeit eingeprägt. Ich schätze es auch besonders hoch ein, daß das Kind alle Geschenke des Lebens, die großen Erlebnisse in Natur, Wissen und Kunst, in enger Gemeinschaft mit den Eltern, gleichsam als deren Gabe empfängt. Nur so kann es unbewußt in seine Seele die Überzeugung von dem unvergleichlichen Wert der Familie aufnehmen, deren es für die Erziehung der nächsten Generation unbedingt bedarf, und die es weiter zu übermitteln bestimmt ist. Die Schule wiederum hat deshalb eine so hohe Bedeutung, weil sie die Vorbereitung für das Leben eben ganz unter den Gesichtspunkt des Lernens stellt. Und mag immerhin der Lehrer, wie es gewiß sein soll, der Freund des Kindes sein, so bleibt er der väterliche Freund. Das freilich gebe ich willig zu: im Durchschnitt werden wohl weder Elternhaus noch Schule den Anforderungen gerecht, die gerade jetzt ungeheuer kompliziert sind. Es sollen