Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- Seite 508 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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508 Erziehungsfragen. in weiteren Aufsätzen einige besonders wunde Punkte noch beleuchtet und der Versuch einer Besserung gemacht werden. Das aber muß ich schon heute sagen: im Gegensatz zu manchen modernen Pädagogen (hierzu vgl. den Aufsatz von Glenn in ״Der Jude" April—Mai 1919), die in Anlehnung an das Erziehungswesen bei den Griechen den Eltern das Erziehungswerk aus der Hand winden und dem Staat überantworten wollen, kann ich einen Fortschritt nur dann erwarten, wenn das Elternhaus mit erhöhter Initiative und erhöhtem Können im Verein mit der reorganisierten Schule die Seele des Kindes zurückgewinnt. Es darf in Zukunft die schwierigsten Probleme — für uns handelt es sich hauptsächlich um die Erziehung der Jugend zum Wissen vom Judentum und zur Treue gegen es, dann aber vornehmlich um das sexuelle Problem — nicht dadurch lösen, daß sie sie — totschweigt und vor ihnen die Augen schließt, sondern im bewußten Streben, das Kind in und durch die Pubertät zu geleiten. 'Das ist unendlich schwer. Und doch ist die Schwierigkeit wohl wesentlich darin gelegen, daß ein jedes Kind nach seiner besonderen Geistes- und Charakterveranlagung belehrt werden muß, während über die .großen Linien eine Einigung durch einiger berufener Männer Wegweisung bald einmal erzielt sein könnte. Es könnte hier der Vorwurf erhoben werden, daß die Vorbereitung des Kindes zum tätigen Mitarbeiten durch das Fernbleiben von politischen Vereinen gehemmt würde. Und in der Tat: wie soll das Kind zum Verständnis der Lebensaufgaben unseres Volkes erzogen werden? Ich will nicht zu dem alten System zurückkehren, das von Alkibiades des langen und breiten berichtete und von Lassale schwieg. Das heißt fürwahr die Gegenwart unterschätzen. Deshalb werden auch wir nicht wieder Barkochba auf Kosten Herzls behandeln. Erfahren wird das Kind der nächsten Generation alles. Ja, wir werden sogar ehrlicher sein und nicht den ganzen Osten als ein einheitliches Lager von Thoratreuen darstellen und so tun, als ob eine Jeschiwoh neben der anderen stände (so