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Jeschurun · 1919-09-01 · Heft 9-10 (September 1919) · p. Seite 498

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 9-10 (September 1919)
Date
1919-09-01
Page
Seite 498 (sequence 72)
Language
German
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498 Gresetzesfreu.de. Wir können die Schowuaus-Betrachtung nickt schließen ohne noch einer Besonderheit des Schowuans zu gedenken: Das ״Durchlernen״ in der Sehowuausnacht. Wer es nicht mitgemacht hat, stellt es sich leicht als sehr ermüdend vor. Ich selbst habe einen solchen Abend in freundlichster Erinnerung- Eine befreundete Pariser Familie hatte mich eingeladen, den Schowuaus in ihrer, in einem Pariser Vorort gelegenen schönen Villa zu verbringen. Früh Nachmittags schon am Erev Schowuaus holte mich der Herr des Hauses in seiner eleganten Equipage ab. Es war eine herrliche Fahrt durch das Villenviertel. Nach Tisch saßen wir gemütlich um den Familientisch, lasen abwechselnd die diversen Abschnitte und zwischendurch gab es auch materielle Genüsse. Gelegentlich *fiel eine sich auf den Inhalt beziehende Bemerkung. Die Teilnehmer waren alle bis zuletzt in heiterer Stimmung. Ein Freund, der diese Nacht unter ähnlichen Verhältnissen in London verbrachte, schwärmte mir noch Jahrzehnte später von dem unvergeßlichen Eindruck vor, den es auf ihn und die andächtigen Teilnehmer gemacht, als sie, auf die ersten Sonnenstrahlen wartend, nach Aufleuchten derselben ברוך שאמר יהיה העולם gesagt, und wie es ihn ergriffen habe, als er dann, bei eben aufgehender Sonne, ,השמים מספרים כבוד א gesagt habe. Und nun das Fest der Feste, das Pesachfest. Das ist der große Magnet, der die räumlich und religiös Fernsten wieder anzieht, sie mit den Angehörigen und den ״Glaubensgenossen״ zu vereinigen um die Sederschüssel. Ein Jüngling,, mit dem ich im gleichen Alter in der Fremde zusammen in der Pension war — der Vater war noch leidlich religiös, die Mutter noch sehr fromm — ließ sich, .als die Pesachzeit herannahte, in seiner Begeisterung zu dem Paradoxon hinreißen:: ״Ich kann mir denken, daß ich mich taufen lasse, aber, daß“ ich den Seder nicht mitmache, kann ich mir nicht denken.“ Der Seder ist eigentlich das Fest des Kindes: wie strahlen die Kleinen vor Freude ob all der außergewöhnlichen Vorgänge, wie freuen sie sich, wenn sie etwas sagen dürfen und etwas, *fragen können, umgeben von Lichterglanz und Tafelschmuck L

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