Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1919)
- Date
- 1919-09-01
- Page
- Seite 493 (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
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Gesetzesfreude. 493 leuchtung und Ofen. (Öfen hatten die in Algier nicht nötig — beim Mittagsmahl war man froh, wenn die Sonne vernünftig war.) Aber einerlei ob Bambusgestell, Bretterbude oder Palastanbau — immer hängt an der Herrichtung und Ausstattung — und erst recht an der Benutzung der Sukkoth, der Abwechslung im täglichen Einerlei der Behausung, dem Kristallisationszentrum des Familienlebens, eine Fülle von Freude für jung und alt: Gesetzesfreude! Das Sukkothfest gewährt aber, außer im ״Hüttendienst“, schon seine Vorfreude beim Aussuchen des Lulows und des Esrogs, wobei es ״Feinschmecker“ gibt, die in Genüssen schwelgen, von denen der Nichtkenner nur eine schwache Vorstellung hat. Und jedesmal, wenn sie während des Segensspruches ihren Esrog betrachten, genießen sie von neuem den herrlichen *Wuchs, die von jedem Atom eines Fleckchens freie Oberfläche ihres Prachtexemplars: Gesetzesfreude. Das Fest, das eigentlich vor allen die Bezeichnung Gesetzesfreude verdiente, ist das Schowuausfest. Da es das kürzeste Fest ist — in Jerusalem wird es ja auch heute noch nur einen Tag gefeiert — heißt es *Wochenfest! Sieben volle *Wochen nach dem Pesachfest bringt es wieder eine freudige Note in das tägliche Einerlei. Die Synagoge prangt in saftigem Grün und frischen Blumen; aber nicht nur das Auge hat seine Freude: Wenn der Balkaure an die Stelle der Verkündigung der ״Zehngebote“ kommt, erhebt sich die ganze Gemeinde wie ein Mann, und es ist wohl kein Teilnehmer des Gottesdienstes, der nicht immer wieder in Ergriffenheit diese Grundsätze des menschlichen Privat- und Gemeinschaftslebens mit Nachdruck laut verkünden hörte, und mit Stolz empfände: Unsere Thora hat der Menschheit diese Grundlage der Gesittung geschenkt! Gesetzesfreude. Aber außer durch das Verlesen der עשרת הדברות hat der Schowuaus-Gottesdienst noch einen ganz besonderen Beiz durch das Lesen der Geschichte Buth, die in ethischer Beziehnung ״Das Lied der Lieder“ ist. Trotz meiner Jahre erfüllt sie mich heute noch alljährlich mit innigster Bührung. Was für 34