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Jeschurun · 1919-09-01 · Heft 9-10 (September 1919) · p. Seite 489

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 9-10 (September 1919)
Date
1919-09-01
Page
Seite 489 (sequence 63)
Language
German
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Gesetzestreude. 489 In einer großen Gemeinde, wie es die meiner Vaterstadt schtn in meiner Jugend war und noch ist, gibt es aber, neben einigen großen, viele kleine Synagogen und daher viele ״Brautleute“ zu besuchen und wer so richtig ״im Killeleben steht“, hat seine Mühe, ״herumzukommen“, obgleich die Brautleute ja meist nicht weit von einander wohnen. Und wo er hinkommt, werden Kuchen und Getränke gereicht und wer gewöhnt ist, bei jedem Genuß den Segensspruch zu sagen, hat bei jedem Besuch seine Freude, daß er wieder ״Broche machen“ darf: ״Gesetzesfikude“ — eine Freude (zumindest ein Gefühl der Befriedigung), die er vor und nach jeder Mahlzeit genießt, die bei der Hochzeit und beim Hochzeits- und Brismilohmahl eine ganze Anzahl von Festteilnehmern genießen, die sich bei den verschiedensten Anlässen wiederholt — nicht zuletzt für den der ״aufgerufen“ ist und vor versammelter Gemeinde die Broche spricht im Angesicht der aufgerollten Thora. Auch die ״Chorjungens“ hatten in meiner Jugend an diesem Tage eine besondere Freude. Sie waren ehrenamtlich tätig und bekamen nach dem Gottesdienst in einem großen Nebenraum der Synagoge Butterkuchen: die Krone der jüdischen Leckerbissen meiner Vaterstadt. Obgleich ich nicht zum Chor gehörte, durfte ich die Traktierung des Chors einmal mitmachen. Ich hatte meinen Vater schon im neunten Lebensjahr verloren und stand in der Synagoge neben meinem Vormund, der — ebenfalls ehrenamtlich — Chorleiter war. (Als die Synagoge gebaut wurde, gab es in der orthodoxen Gemeinde noch keinen Chor. Dieser war einKonkurrenzprocfukt des nebeu an befindlichen ״Tempels“ und war untergebraeht in den ersten Koihen hinter dem Almemmor.) ״Weißt du“, sagte auf dem Wege zur Butterkuchenbescherung mein Vormund zu mir, ״woher der neue Adaun Aulom ist; den habe ich aus Chicago importiert“. Heute ist diese Adaun-Aulom-Melodie gleichzeitig die unter deutschen Juden verbreitetste Schir hamaalaus-Melodie. Die Melodien des jüdischen Gottesdienstes sind nicht sehr zahlreich und daher jedem Besucher geläufig. So weit die deutsche Zunge klingt — einschließlich des Jiddischen — sind

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