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Jeschurun · 1919-09-01 · Heft 9-10 (September 1919) · p. Seite 488

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 9-10 (September 1919)
Date
1919-09-01
Page
Seite 488 (sequence 62)
Language
German
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488 G-esetzesfreude. Simchas Tauroll mit einer gewissen Ängstlichkeit in Schul, ob sich dergleichen nicht wieder ereignen würde. Aber wenn ich dann hineinkam und die vielen kleinen Kinder mit bunten Fahnen mit hebräischer Inschrift unter dem Bilde Mosches und dergleichen, auf ihres Vaters Sitz stehen sah und die ״Sforim umgingen“, während Chasen und Chor die heiteren Melodien anstimmten, dann war ich wieder ganz zuversichtlich und heiter und ״küßte“ ehrfurchtsvoll jedes Sefer und freute mich besonders, wenn es ein Bekannter trug. Mit dreizehn Jahren kam ich in eine große süddeutsche Gemeinde. Die Leute hatten ein ganz anderes Temperament als die schwerblütigen Norddeutschen, die sich immer so ״gemessen“ bewegten. Chosen Tauroh und Chosen Bereschith waren alte Leute mit grauem Bart, aber mit ihrem schweren Sefer im Arm hüpften sie wie die Lämmer und die Sforim gingen mit ihnen nach dem Takt der Melodie auf und nieder, und sie strahlten vor Freude mit ihrem .Sefer im Arm: ein richtiger Tanz mit Chosen und Kalle. Hier, wie in meiner Vaterstadt, besuchte der männliche Teil der Kille nach dem Gottesdienst den Chosen Tauroh, dem die Kalle, der Chosen-Bereschith, assistiert. Bei diesen Besuchen kommen arm und reich, Gelehrte und Unwissende, zusammen. Es wird von ״Killeangelegenheiten“ und -Interessen gesprochen, der Gemeinschaftsgeist, das Zusammengehörigkeitsgefühl geweckt und gepflegt — auch unter Leuten, die keiner ״Loge“ angehören, und die gleichmäßige Freundlichkeit des Helden des Tages auch gegenüber dem auf der untersten Sprosse der sozialen Stufenleiter stehenden Besucher, dem er ״für die Kowed dankt“, die er ihm ״gemacht“ hat, wirkt demokratisierend auf die Gemeinde. Dabei meint der Chosen Tauroh es ganz aufrichtig, wenn er von der ihm gemachten Kowed spricht, gilt doch für ihn bei solcher ״Besuchskur“: ברב עם הדרת מלך (die Menge des Volkes macht die Würde des Königs). Und die Herren Gelehrten aller Fakultäten sind sehr empfänglich und empfindlich in Punkto ״Kowed“. So hat denn der Chosen Tauroh am Simchas Tauroh noch eine ganz persönliche Simche durch die Tauroh.

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