Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1919)
- Date
- 1919-09-01
- Page
- Seite 487 (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
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Gesetzesfreude. 487 Antwort gegeben anf ihr: warum hat . . . .? Und von der Frauenschul herab sucht das Mutterange ihr Söhnchen und dieses blickt empor zur Mutter und zum Schwesterchen, das zum erstenmal mit in Schul durfte. Jetzt sind die Blicke sich begegnet und Mutter und Kind sind glücklich in gemeinschaftlich verlebter Freude. Meine älteste Jugenderinnerung ist ein Simchas Tauroh. Mein Vater, der Schulvorsteher war, war wohl amtlich beschäftigt. Jedenfalls stand ich allein auf seiner ״Stelle*. Die Knaben waren nach dem Aufrufen ״im kol Haneorim“ alle schon auf den Almemmor gestürzt. Ich war noch zu klein dazu. Ich muß aber wohl sehr sehnsüchtig zu ihnen hinaufgesehen haben? denn plötzlich faßte mich mein Nachbar und reichte mich einem Herrn hinauf, der mich auf dem Arm behielt, denn oben konnte kein Apfel zur Erde fallen — und etwas größer als ein Apfel war ich schon. Von seinem Arme herab sah ich auf die Masse der Knaben, die im Chorus die Broche sagten י die ich noch nicht kannte. Den Eindruck habe ich nie ver_ gessen: Die vielen hellen Kinderstimmen, die diesem Zentrum lautlos zugewandte Gemeinde der Erwachsenen beiderlei Geschlechts und der kleinen Mädchen in der Frauenschul — vom Arme meines Beschützers aus überblickte ich die ganze vollgedrängte Schul —, unter mir die aufgerollte Sefertauroh, auf die aller Blicke sich zu richten schienen. Ich hatte schon Simchas Tauroh, ehe ich noch wußte, was das Wort bedeute. Dann kam ein späterer Simchas Tauroh. Ich wußte schon, was die Tauroh sei. Beim Niederstieg vom Oraun Hakaudesch kam auf der langen Treppe ein altes Männchen mit seinem Sefer zu Fall. Trotz Simchas Tauroh legte sich eine gedrückte Stimmung auf die ganze Gemeinde, die sich selbst dem Knaben mitteilte. Ich hörte, nun müsse die ganze Gemeinde einen Tag fasten. Ich brauchte zwar noch nicht mitzufasten, aber es war mir doch sehr traurig zumute. Noch lange sah ich das graue Männlein mit der Beule auf der Stirn und dem beschädigten Zylinder vor mir und die auf der Treppe liegende rote Sefertauroh. Und in den nächsten Jahren ging ich am