Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1919)
- Date
- 1919-09-01
- Page
- Seite 486 (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
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486 Gesetzesfreude. über die Jugend der Menschheit und namentlich die Jugend ihres eigenen Volkes. Sie enthält das geistige Testament ihrer bedeutendsten Männer, ihrer Stammhäupter, Männer, deren Blut in ihren Adern fließt. Sie enthält Weissagungen und Moralpredigten; Stammbäume und Statistiken neben Hymnen und Gesängen. Und zwischen all’ dem fließt fast ununterbrochen der Quell der Lehre und des Gesetzes. Gebt doch den!Sandern ein Gesetzbuch in die Hand, in dem alle Vor- Schriften fein geordnet in Paragraphen aufgeführt sind: sie werden es respektvoll in den Bücherschrank stellen, aber sicher in eine Ecke oder hinter ihren Schiller und Goethe, Lessing und Shakespeare — denn lesen werden sie es nicht — auch die Erwachsenen nicht, die, wenn es hoch kommt, einmal einen Paragraphen ansehen, der sich auf einen anderen bezieht, der sich wieder auf einen dritten bezieht, und dann schütteln sie ärgerlich den Kopf: ״Da muß ich doch zum Rechtsanwalt gehen״. Liegt nicht eine besondere Veranlassung vor, nimmt auch der Erwachsene kein Gesetzbuch in die Hand. Heute ist Simchas Tauroh! Hell erleuchtet ist ״die Schul’״. Die Sforim sind alle ״ausgehoben״. Ln Oraun Nakaudesch steht ein Licht; seltsamer Anblick. Der Chasen sieht sich um nach dem Ende der Prozession. Jawohl, das letzte Sefer hat seinen Träger gefunden, er kann beginnen. Da drängt es aus allen Reihen heraus: die Jugend an die Front! Ehrfurchtsvoll und freudig erregt zugleich, legen die Kinder ihre Händchen auf den Mantel oder das Schild, der mit silberner Krone und Schild geschmückten Thorarollen. Keine der vielen Sforim darf sie unberührt passieren. Das ist ja ihre Tauroh. Sie kennen schon einen Teil ihres Inhalts. Sie haben gezittert mit Abraham, wie er das Messer ausstreckt, das größte Opfer zu bringen, daß je einem Menschen zugemutet wurde, und er war ja ihr Ahne, und sie haben geweint mit Joseph am Halse Benjamins und sie sind selbst mit aus Ägypten gezogen, sonst wären sie ja noch Sklaven in Ägypten: das wissen sie noch vom vorigen Seder. Und sie freuen sich schon auf die nächste Chumeschstunde, denn der Lehrer hat immer so befriedigende