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Jeschurun · 1919-09-01 · Heft 9-10 (September 1919) · p. Seite 484

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 9-10 (September 1919)
Date
1919-09-01
Page
Seite 484 (sequence 58)
Language
German
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484 Gedanken zu Alfred Lemms: Der Weg der Deutschjuden. zähler durch. Wie sind hier die Feste Ausstrahlungen und Erlebnisse der jüdischen Seele, Kristallisationspunkte jüdischer Empfindungen! Hier könnte m. E. eine jüdische Schulgemeinde großzügig neubildend eingreifen, wenn Lehrer und Schüler nationaljüdisch und gesetzestreu auf einen Ton gestimmt, die Feste und Erinnerungsfeiern zu Sammelpunkten tiefglutenden Stimmungslebens machen könnten, wenn der Leiter der einzelnen Unterabteilungen, etwa ein approbierter Rabbiner, und die Lehrer für die jüdischen Fächer, gute, fromme Thora• kundige aus dem Osten, vorbildlich Zusammenwirken könnten, um mit den Schülern nach Art einer Familie die Gebote und Feste unsrer Religion zu erleben. (Man denke nur an die großen Colleges, wie sie in England und Amerika, nicht zum Schaden der nationalen und elterlichen Erziehung im großen Stile vorhanden sind.) In einer solcher Pflanzstätte jüdischen Kulturgeistes müßten größte und kleinste Feste, Sabbat sowohl wie Neumond, ihre eigene Weihe haben. In einer solchen Bildungsanstalt müßte die jüdische Litteraturstunde zum Beispiel auch auf hören, eine öde Aufzählung von Namen und Daten zu sein, ein Raschi, ein Rambam, ein Jehuda Halevy würden als Lebenshelden vor dem Kindesauge erstehen. Die hebräischen Sprachstun den dürften nicht mehr wie bisher mechanische Zusammentragung von Vokabeln, Addition und Subtraktion toter Zeichen bleiben, sondern ebensoviele Wirkfaden am lebendigen Eieide der gesprochenen Sprache, Verbindungen von Worten zu Urteilen und Schlüssen, Eindringen und Erfassen prophetischer Rede und auch späterer dichterischer Werke werden. Vor allem ist ein vertiefteres Erfassen des Talmud, dessen wahres Verständnis an unsern Realschulen im Verhältnis zur aufgewandten Mühe unleugbar nur ein minimales ist, durch Verwendung geeigneter ostjüdischer Bachurim (die natürlich auch genügend deutsch vorgebildet sein müßten) an diesen Schulen bestimmt zu erwarten. Das Material für geeignete Lehrkräfte ließe sich leicht aus der ישיבה in Frankfurt oder direkt aus Rußland oder Ungarn beziehen. Überhaupt könnten die ישיבות alten Stiles hier in mancher Einsicht riehtung-

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