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Jeschurun · 1919-09-01 · Heft 9-10 (September 1919) · p. Seite 483

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 9-10 (September 1919)
Date
1919-09-01
Page
Seite 483 (sequence 57)
Language
German
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Gedanken zu Alfred Lemms: Der Weg der Deutschjud«n. 483 keiner näheren Darlegung, daß die Lemmsche Idee von der Verpflanzung ostjüdischen Stammesjudentums nach Deutschland für uns weniger eine nationale als eine religiöse Erneuerung oder beides zugleich bringen muß, *wenn sie unsrer Auffassung vom Judentum entsprechen soll. In diesem Sinne könnten wir uns wohl solche ideale Schulsiedelungen denken, die wahrhaft auf bauend und fruchtbringend sind, Stätten der Judaisierung unserer Jugend werden könnten. Denn verhehlen wir es uns nicht: Was uns die wenigen jüdischen Mittelschulen Deutschlands in dieser Hinsicht bieten, das ist herzlich wenig. Worauf diese Realschulen alle hinarbeiten, (die Stifter mögen es sich ja teils anders gedacht haben) das ist als Hochziel ein germanisches Ideal mit etwas jüdischem Einschlag, worüber schon Unna (Jeschurun, IH. Jahrg., Heft 11) Klage geführt hat. In welcher dieser Anstalten ist von einer wahrhaften Durchtränkung mit jüdisch-kulturellem Geiste die Rede? In welcher dieser Anstalten wird das theoretischwissensartig Vorgetragene auch im der Praxis vorgelebt, in welcher dieser Anstalten werden unsere früheren Volksfeste wie ChamiscÜo-Ossor Bisch’wat oder Lag-Bömer in ihrer ganzen Natur- und Kultursymbolik, im Zusammenhang von Land und Volk Palästinas, gefeiert. Wie fallen überhaupt alle unsere Feste, schon in Anbetracht der nichtjüdischen Umgebung aut der Straße und im Erwerbsleben, so poesielos, so ertragslos für unsere Jugend meist aus! Man denke nur, wie eindruckslos das Sukkosfest für die Mehrzahl der Jugend verläuft, namentlich in den Großstädten, wo die Sukkoh fast stets, die Arba Minim häufig im Hause fehlen. Blutleer und bedeutungslos ist das Purimfest, (mit Unrecht von dem für nationaljüdische Tendenzen so geeigneten Chanukafest in den Hintergrund gedrängt), am bedeutungslosesten der Tischo-Beaw geworden. Wie ganz anders wirken diese Feste und Feiern im Osten, wo noch das Pathos, die Glut des Orients heimisch ist. Da fiebert, da träumt der jüdische Junge dem kleinsten dieser Feste entgegen, der ganze Mensch wird von ihrer Nähe erfüllt. Man lese nur daraufhin die Novellen unserer ostjüdischen Er-

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