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Jeschurun · 1919-09-01 · Heft 9-10 (September 1919) · p. Seite 482

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 9-10 (September 1919)
Date
1919-09-01
Page
Seite 482 (sequence 56)
Language
German
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482 Gredanken zu Alfred Lemms: Der Weg der Deutschjuden. rufen sein, eine neue Epoche in der Geschichte des deutschen Judentums einzuleiten, — wenn, ja wenn die Absichten des Verfassers und die Art ihrer Ausführung in der Abhandlung klarer dargelegt worden wären. Gewiß würden wir die Rückkehr zum Ostjudentum als erste freudig bejahen. Hat doch der Herausgeber dieser Blätter vor nicht langer Zeit Wilna als das Jeruscholajim der Gesamtjudenheit bezeichnet. (Jeschurun, V. Jahrgang, 1. Heft, S. 2). Wie wäre daher die Idee einer größeren Annäherung an diesen Hort und Jungbrunnen jüdischen Lebens nicht zu begrüßen. Aber wie machen wir diesen großen Gedanken lebendig und fruchtbar, das ist die Frage. JDer Rahmen, den der Verfasser hierfür aufstellt, ist zu weit und folglich ohne festen Halt. Frage drängt sich auf Frage. Wie denkt sich Lemm dieses Zu־ sammenleben russischer und deutscher Schüler? Wie soll der Charakter der Schule in konfessioneller Hinsicht sein? Woher nehmen die russischen, Schüler ihre religiösen Keime und Erfahrungen, die sie den deutschen Schülern mitteilen sollen, wenn sie das Elternhaus in früher Jugend verlassen haben und die Atmosphäre des Deutsch-Judentums nivellierend auffcritt? Ist ein bloßes Zusammenleben von Ost- und West- Schülern überhaupt geeignet und ausreichend, um die Denkweise gegenseitig entscheidend zu beeinflussen? Nach unserer Erfahrung mit gemischt-nationalem Schülermaterial in deutschen Realschulen konnte eine tiefer gehende gegenseitige Beeinflussung wenig beobachtet werden. Worauf es entscheidend ankommt, das sind die Lehrer und Lehrziele und die ganze Anlage und Auswahl der Unterrichtsführer, und für diese bleiben noch die obengenannten Zweifelsfragen: Welche Mittel sollen angewandt werden, um die Gesinnung der Kinder jüdisch zu formen und die religiösen Anlagen des Kindergemüts in nationaljüdischer Richtung zu beeinflussen, ihm Eindrücke und Anschauungen jüdischer Heiligkeit zu vermitteln, wie sie selbst Haus und Familie in Deutschland jetzt leider in vielen Fällen in so geschlossener und vollendeter Weise nur selten zu geben vermag. Denn es bedarf an dieser Stelle

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