Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1919)
- Date
- 1919-09-01
- Page
- Seite 481 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
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Gedanken zu Alfred Lemms: Der Weg der Deuts drjuden. 481!ebender Zeitgenossen heilig ־and vorbildlich ist, zum Gegenstand märchenhaft-spielerischer Darstellung mache. Entweder sind mir diese Männer und ihre Taten und Lebensformen selbst heilig, oder, sind sie es nicht und stelle ich es dar, als wären diese Symbole für mich auch richtunggebend, dann mache ich mich der Pietätlosigkeit gegen die gläubigen Zeit- und Volksgenossen schuldig, erwecke falschen Schein und treibe ein unwürdiges Doppelspiel mit heiligen Dingen, das auf die Dauer jeden religiös gesinnten und gewissenhaften Leser abstößt. Und allerletztens, wenn Buber und sein Anhang so gar nicht die Formen der jüdischen Religion anzuerkennen gewillt scheinen, werden sie bei ihren jüdisch nicht orientierten Lesern das Verständnis für die Realien in diesen Er- Zahlungen, für den Gemütszauber und Imponderabilienwert der Motive in diesen Erzählungen voraussetzen dürfen? Kann man wirklich glauben, daß in ganz reformierten, dem jüdischen Gesetzesleben von Jugend auf fernstehenden Kreisen die meisten chassidischen Erzählungen anders als mit Erstaunen oder lächelnder Überlegenheit aufgenommen werden, bis auf einige auf rein ethisches Wollen und abstraktes Denken hin tendierende, von Bubers geschickter Hand poetisch drapierte und ausgewählte Erzählungen. Heute sind sie stark in Mode gekommen, und als Modesache werden sie der Zeit bald ihren Tribut zahlen müssen. Will Buber durch seine Darstellung auch wirken und den Chassidismus wirklich volkstümlich machen, so muß er von seiner Literatenhöhe abstrakten Denkens herabsteigen und dem Symbol die Lehre, dem Beispiel die Tat folgen lassen. III. Alfred Lemm erblickt den einzigen Heils weg für die Deutsch-Juden, die ihre Stammesart pflegen und erhalten wollen, darin, daß jüdische Landerziehungsheime gegründet würden, wo Ostjuden und Westjuden in ihrer Eigenart sich kennen und einander annähern lernen sollen. Auf diesem Wege könnte das konservative Judentum dem Verfasser mit rückhaltlos freudiger Anerkennung folgen, und der Gedanke könnte be-