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Jeschurun · 1919-09-01 · Heft 9-10 (September 1919) · p. Seite 478

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 9-10 (September 1919)
Date
1919-09-01
Page
Seite 478 (sequence 52)
Language
German
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478 Gedanken zu Alfred Lemms: Der Weg der Deutschjuden. fertigen Übung der Gottesgebote das Wort geredet. Der Chassidismus war eine Reaktion gegen den damals (im XVJLL.— XYIII. Jahrhundert) in Polen und Litauen herrschenden Pilpulismus, und Intellektualismus der talmudischen Richtung und erstrebte eine Vertiefung der Gesinnung des Glaubenden mehr als des Glaubens, eine Betonung der Rechte des naiven Herzens und der freudigen Lebensbejahung und Lebens“ betätigung in praktischer Brüderarbeit. Eine gewaltige Glut des Gottesempfindens, eine zehrende Sehnsucht des Glaubenden nach unmittelbarer Vereinigung mit dem Göttlichen in Gebet und Gottesdienst zeichnet die Bekenner aus; Demut (שפלות), Freude (שמחה), Begeisterung (התלהבות) sollten die drei Kardinaltagenden des Chassid werden. Eine Durchgeistigung der Lehre Gottes, Inbrunst, Heiligkeit und Reinheit bei ihrer Befolgung wird empfohlen, das ganze Leben sei ein Gottesdienst, eine Vergegenwärtigung des Göttlichen, dies sind die Grundlehren des Chassidismus in seiner ursprünglichen Form. (Später in der Zeit des Zaddikismus ist allerdings die Bewegung zu einem oft häßlichen Menschen- und Wunderkultus teilweise heräbgesunken.) All dieses hat aber mit einer praktischen Reform und Vereinfachung göttlicher oder rabbinischer Satzungen nichts zu tun. (Buber selbst sagt in seiner neuesten Bekenntnisschrift: ״Ohne cfiaß am Gesetz, am Ritas, an der überlieferten Lebensnorm ein Jota geändert würde, ersteht das Altgewohnte in einem jungen Lichte“. (En ״Mein Weg zum Chassidismus“ S. 8, Frankfurt 1918.) Auch die Propheten kämpfen für eine vertiefte sittliche Auffassung der biblischen Gebote, nirgends aber für deren Erleichtung und modernere, zeitgemäßere Aufmachung. Dies ist nur eine Interpretation unsrer modernen jüdisch-protestantischen Theologen* So unterschreiben wir das Urteil Schechters über die Seelenstimmung des Baalschem, als er von den Verfolgungen hörte, denen die Rabbi nen durch Denunziationen der Frankisten ausgesetzt waren: ״Unter diesen Erregungen litt Baalschem in der schrecklichsten Weise; die Abschaffung des mündlichen Gesetzes bedeutete ihm den Ruin des Judentums“. (S. 24, s. über Chassidim und

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