Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1919)
- Date
- 1919-09-01
- Page
- Seite 477 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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Gedanken zu Alfred Lemms: Der Weg d^r Deutsch]uden. ^ךך geber dieser Zeitschrift hat schon gelegentlich einer Besprechung der Bücherei des ״Jüdischen Verlags“ die Wahrnehmung ausgesprochen, daß moderne jiddische Erzähler in ihren Darstellungen manchesmal Gedankengänge offenbaren, ״welche ein von christlichen Idealen begeisterter Autor in die jüdische Volksseele hineinprojiziert, ein Seitenstück zu der Buberschen Identifizierung des vermeintlich echten Judentums mit dem Urchristentum“. (Vom alten Stamm, Jeschurun, I. Jahrgang, S. 226.) Wir möchten für heute nur fesstellen, daß auch Bubers Schüler dies Verfahren üben, indem sie ihre eignen Ideen und Lieblings-Vorstellungen dem Chassidismus als Ureigentum unterstellen. Hier ist nicht der Ort, eine Art Ehrenrettung des Chassidismus oder ein System seiner Lehren zu geben. Aber gesagt muß es einmal werden, daß diese Verehrung, ja Vergötterung des Chassidismus, wie sie von einem gewissen Kreise um Buber in neuester Zeit beliebt wird, schon nahezu an Idolatrie und Fetischismus erinnert. Es muß einmal Klarheit darüber geschaffen werden, ob von Haus aus wirklich der Chassidismus und seine Begründer (Baalsehem-Tow, Beer aus Mezeritz, Nachmann aus Brazlaw) einer Nichtachtung oder Geringerachtung der praktischen Gesetze irgendwie das Wort reden. Nach meiner persönlichen Erfahrung und Bekanntschaft mit ״Zaddikim“ (wie sie sich später fiannten) in Galizien und Ungarn (Belser, Sanzer Rebbe) wäre es nahezu Blasphemie, an so etwas zu denken. Dasselbe Urteil gewinnt man aus den einschlägigen Darstellungen des Chassidismus von Jost, Schechter, Markus. Zunz und Graetz hier heranzuziehen ist nicht angängig, da sie für die ganze Bewegung nicht viel mehr als Spott übrig haben. Zwar besteht unleugbar ein gewisser Antagonismus Zwischen der gelehrten Frömmigkeit der nur auf ״Lernen“ und auf Weltflucht bedachten Richtung der ״Misnagdim“, der ausgesprochenen Gegner des Chassidismns, welch’ letzterer die Herzens freu di gkeit und die einfältige Volksfrömmigkeit als entscheidendste Merkmale und Voraussetzungen des jüdischen Glaubens bezeichnet. Doch niemals haben Chassidim der leichtsinnigen Auffassung oder leicht- 33