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Jeschurun · 1919-09-01 · Heft 9-10 (September 1919) · p. Seite 476

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 9-10 (September 1919)
Date
1919-09-01
Page
Seite 476 (sequence 50)
Language
German
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476 Gedanken zn Alfred Lemms: Der Weg der Deutschjuden. hier nocliinal einzugehen sich nicht verlohnte1), wenn nicht der Gegner neu wäre und die dichterisch-mystische Draperie, in der er sich uns entgegenstellt. Längst ist ja schon von berufener Seite nachgewiesen, wie grundfalsch diese Auffassung vom Talmud ist, als ob nach ihm nicht die Handlung geradezu ein Ausdruck der Gesinnung sein müßte2); längst ist es als grobe Fälschung nachgewiesen, daß in den Augen der Pharisäer (auf die der Verf. anspielt) die Frömmigkeit gleichbedeutend gewesen wäre mit Gelehrsamkeit und daß daraus der in talmudgelehrten Kreisen herrschende Gelehrtendunkel dem einfachen Mann aus dem Volke, dem Am Haarez gegenüber sich herschreibe (s. Güdemann, S. 180 £). Die Polemik in dieser ]Richtung neu aufzunehmen ist hier nicht der Ort. Was dagegen unsern schärfsten Widerspruch hervorrufen muß, ist die hier uns entgegentretende Gegenüber* * Stellung des Chassidismus und der gesetzestreuen ]Religion. Alfred Lemm spricht von diesen beiden als von zwei Welten, deren Gegensätzlichkeit bekannt und tatsächlich und fast innerlich notwendig bedingt sei. Woher Lemm diese seltsame Auffassung bezogen hat und daß ferner diese Auffassung irrig ist, wollen wir im folgenden erweisen. Alfred Lemm ist, was kundige Leser schon erkannt haben dürften, ein Jünger aus der Prophetenschule Martin Bubers. Getreu seinem Vorbild folgt er ihm sowohl in der Auffassung wie der Darstellung des Chassidismus, nicht wie er historisch geworden ist und wie er von seinen Hauptvertretern in Schrift und Tat vindiziert wird, sondern wie sich ihn der Poet Buber wundersam verklärt vorstellt. So groß und unbestreitbar Bubers Verdienste um die Erklärung und Popularisierung des Chassidismus sind, seine mystisch-christelnde Schwärmerei hat schon viele klare Köpfe Jungjudas verdunkelt. Der Heraus- *) Vgl. Güdemann, Apologetik, cap. 6 und Wohlgemut, Gesetzestreues und liberales Judentum. ׳ *) Man denke nur an die einschlägigen, von unerreicht hohem Ethos erfüllten Stellen in den ״Spräche* der Väter“.

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