Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1919)
- Date
- 1919-09-01
- Page
- Seite 475 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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Gr©danken zu Alfred Lemms: Der Weg der Dentschjnden. 475 in dem Bewußtsein, gleichsam Pioniere des jüdischen Heimatlandes Palästina zu sein; dies Bewußtsein wird sie stärken, ebenso wie es den Deutschamerikaner stärkt, daß es in der Perne ein freies Deutschland gibt. Für eine solche Generation Deutschjuden gibt es keinen Zwiespalt mehr zwischenDeutschtum und Judentum, durch ihre stammjüdische Erziehung sind sie sich ihrer volklichen Bindung und Andersgeartetheit bewußt geworden, ohne deswegen den Gegenwartsaufgaben ihres derzeitigen Wirtslandes irgend entfremdet zu werden. Dies sind ungefähr in gedrängter Form die Gedankengänge und Vorschläge dieser ungemein anregenden und auch sprachschöpferisch genußbietenden Schrift. Schon aus diesem Auszuge erkennen wir, daß sie unser kritisches Interesse erregt und zu einer sachlichen Würdigung herausfordert. Ob man Anhänger oder Gegner des zionistischen Zukunffcsstaates ist, mit dem vom Verfasser aufgeworfenen Erziehungsproblem und der hier vorgeschlagenen Lösung wird sich jede jüdisch-orientierte Dichtung auseinanderzusetzen haben. Umso unabweislichere Pflicht ist es für den positiv gerichteten Juden, zu diesen Vorschlägen Stellung zu nehmen. Duhm voll wäre es für Deutschlands Juden, auf diesem Wege Westeuropa bahnbrechend voranzugehen. H. Wenn wir uns in die soeben skizzierten Erörterungen des Verfassers vertiefen, werden wir zunächst im theoretischen Teil manch Bekanntes und Altvertrautes aus der Zeit des Kampfes gegen die Haskala und gegen das moderne liberale Judentum wiederfinden. Die Auffassung, dem ״talmudischen Juden“ sei die Freude im Gottesdienst völlig fremd, ja es bestehe ein Gegensatz bei ihm zwischen Freude und Pflichterfüllung, zwischen Tat und Gesinnung, dies sind altbekannte Argumente aus der Düstkammer der liberalen jüdischen wie christlich ־protestantischen sogenannten Wissenschaft, Erbstücke aus den Zeiten von Wellhausen, Schürer, Harnack, bis herab auf die Dii minorum gentium wie Seligmann-Samuel, auf die