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Jeschurun · 1919-09-01 · Heft 9-10 (September 1919) · p. Seite 474

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 9-10 (September 1919)
Date
1919-09-01
Page
Seite 474 (sequence 48)
Language
German
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474 Gedanken zu Alfred Lemms: Der Weg der Deutschjuden. sollen in der Nähe der Großstädte gegründet werden, jüdische Landerziehungsheime, wo östliche Stammjuden und Deutsch- Juden ihre Kinder räumlich und geistig sich annähern und einander vertraut werden lassen. Dadurch wird in ihnen einerseits der jüdische Geist erhalten; anderseits werden sie der zersetzenden Talmi-Kultur der Großstadt entzogen. Das Ganze ist wesentlich als Vorhereitungs- und Versuchsanstalt für Pioniere des zukünftigen Palästina gedacht. ״Die jüdische Schulsiedlung ist der Sammel-, Treff- und Lebensort der nach Zion Gehenden, von dort Kommenden, sich für es Vorbereitenden während ihres Aufenthaltes in Deutschland“. (S. 36.) Diese zu gründenden Erziehungsheime denkt sich Lemm in der Art der Wynekenschen Lehrgemeinde, mit zwanglosem Verkehr zwischen Lehrer und Schüler und mit besonderer Einwirkung auf Charakter, Gesinnung und Neuzeugung jüdischen Geistes und Neuschöpfnng jüdischer Religionsinhalte. Dazu bedarf es der Traditionsinhalte jüdischer Ostjuden und der geistigen Selbständigkeit der Westjuden, diese mit neuem Geiste zu beleben. Auch soll mit der geistigen Ausbildung Hand in Hand eine praktische gehen in landwirtschaftlichen Lehrkursen und den diesem Zweck dienenden Lehrfarmen. Unterrichtsspräche soll gleichen Teiles Deutsch und Hebräisch sein, wobei auch Jiddisch durch die Berührung mit ostjüdischen Bändern nebenbei erlernt wird. Auf diesem originellen Wege hofft der Verfasser das Problem zu lösen wie ein Deutschjude (dieser als Typus für den Westjuden genommen), seine Bänder zu Stammjuden erzieht, ohne seine deutsche Geistigkeit aufzugeben. Die jüdische Schulsiedlung gibt seinem Sehnen, seinem Wollen Nahrung, setzt ihm eine Aufgabe, während das Deutschtum mehr seinem Sein, seinen Gegenwartspflichten entspricht und von ihm Werte fordert. Jeder Jude, auch der der Schulsiedlung Eernwohnende, wird es als Ehrenpflicht empfinden, sein Band zum zeitweiligen oder dauernden Aufenthalt auf diesem Boden jüdischer Erneuerung zu senden, um das Kind so das ostjüdische Stammesjudentum wenigstens im Ausschnitt kennen lernen und erleben zu lassen. Stolz werden diese Kinder heranwachsen

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