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Jeschurun · 1919-09-01 · Heft 9-10 (September 1919) · p. Seite 473

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 9-10 (September 1919)
Date
1919-09-01
Page
Seite 473 (sequence 47)
Language
German
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Gedanken zn Alfred Lemms: Der Weg der Dentschjuden. 473 Verhältnis der Brndergemeinschaft, die sich um einen geistigen Führer, den ״Rabbi", schart, am deutlichsten zum Ausdruck kommt. Aus dem innigen Erleben der Welt- Verbundenheit mit Gottesnähe entspringt auch die den talmudischen Juden völlig fremde Freude im Gottesdienst, ebenso der Wert und die Betonung der Freude im Gegensatz zur Pflicht, der Laienhaftigkeit im Gegensatz zur Gelehrtheit, der Volkstümlichkeit im Gegensatz zur Gebildetheit, des Tuns statt des Sagens (wo hätte der Talmud je sowas gelehrt!), der göttlieh geklärten Ruhe an Stelle der Betriebsamkeit des Handelns. Der wahre Chassid übt Gottesdienst in Form von Liebes werken und Verzeihen,•sein Lebensideal ist Sichopfern, Versenken und Aufgehen in Gott, sein Herz und Gefühl ergießt sich in exstatischen Melodien und traumhaften Tanzweisen. Die Chassidim ״tanzen ihre Freude und singen ihre Ehrfurcht“. Der Chassid allein lebt ein vom Göttlichen durchpulstes Leben, und seine Mythen und Sagenkreise, von göttlich-misionärem Schauen erfüllt, sind die wahrste Ausgeburt weitester von mystischem Schauer ergriffenen Volkskreise. Vielleicht liegt in diesem ״Zurück zum Chassidismus “־Ruf noch das einzige Heil fär ein neuzuschaffendes Ost-West־Judenvolk, vielleicht hat dieses, so schließt dies Hohelied des Chassidismus, abermals die Aufgabe, ״den geplagten Völkern den Christus zu bringen“. Wir sehen, begeistertere Töne hat bisher wohl kein moderner Lobredner auf den Neu-Chassidismus angestimmt als dieser. Nunmehr kommt Lemm zu den einzelnen praktischen Vorschlägen. Es gilt für den Deutschjuden, sich dem Stammjudentum des Ostens generationsweise zu nähern, ihm in seiner Art, Anschauung, Erziehung, Entwicklung sich und seine Kinder anzugleichen. Es gilt für die artbewußten Deutschjuden, jüdische Erziehungsstätten in Deutschland zu schaffen, wo durch gemeinsame Erziehung von ost־ und westjüdischen Kindern die Jugendeiner ״lebendigen volklichen Erziehung" ausgesetzt und für ein ״geschlossenes stammjüdisches Milieu“ Sorge getragen wird. Kolonien

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