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Jeschurun · 1919-09-01 · Heft 9-10 (September 1919) · p. Seite 472

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 9-10 (September 1919)
Date
1919-09-01
Page
Seite 472 (sequence 46)
Language
German
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472 Gedanken zu Alfred Lemxns: Der Weg des Deutschjuden. Himmels“, (p. 30). Es folgt dann ein Dithyrambus auf die ״Neujüdische Religiosität“ und auf den ״Chassidismus“ gewisser Klassen, insbesondere der Ostjuden. Aufgabe der neujüdischen Religiosität wird sein müssen eine Neubelebung der Tradition, das Neuerleben und Beseelen alter Formen und Symbole, die alten Riten sind soweit leben sberechtigt, als sie tatsächlich lebendig sich ins Volksbewußtsein überführen lassen, soweit als die äußere Form noch mit einer Seele verbunden ist. Auch könnten völlig bedingte, an ein Nationales gebundene Feste nur in einem bestimmten Rahmen in der Gegenwart begangen werden, heute, wo gleiche Kulturziele und Ideale von Gott und Welt die Völker aus den nationalen Schranken herauszuführen streben. (Über diese kurze Abfertigung der Gesetzesreligion mit ihrer unvergleichlichen Weihekraffc wird unten mehr zu sagen sein.) Hochziel der neujüdischen Religiosität muß werden: ״Durchdringung der bisher unidealistisch gerichteten weltlichen Sphäre mit dem religiösen Heroismus“, Überwindung der talmudischen, ״misnagdischen“, mehr verstandesmäßigen Richtung des Judentums durch die ״chassidische“, die gefühlsmäßigere. ״Christus war der erste große Chasside“. (!) Es gibt (nach Lemm) keinen größeren Aufstieg für den Juden, ja für den Menschen überhaupt, als den Weg zum Chassidismus. Im Chassidismus und seiner Lehre sind die ganz großen Menschheitsideale, insbesondere das der ״Liebe“ in höchster Idealgestalt verwirklicht. Zwar ist schon im Alten Testament das Gebot der Nächstenliebe als sittliche Forderung aufgestellt, aber es ist, (so sagt Lemm, ähnlich Achad Haam in Al Par. Der.: I, S. 96 f.) nicht zu leugnen, daß im alttestamentlichen Judentum der besondre Akzent mehr auf der Gerechtigkeit liegt (nach dem bekannten Ausspruch Hillels), im Chassidismus dagegen liege ebenso wie im Christentum der besondre Stimmungswert auf dem Begriffe der ״Liebe“. Hier konstatiert Lemm zum ersten Male eine Wesensverwandschaffc des Chassidismus mit dem Christentum. Ebenso findet Lemm eine Inhaltsähnlichkeit und Annäherung des Chassidismus an das Christentum in der Lehre der kosmischen Zusammengehörigkeit alles Irdischen, das im

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