Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1919-09-01 · Heft 9-10 (September 1919) · p. Seite 470

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 9-10 (September 1919)
Date
1919-09-01
Page
Seite 470 (sequence 44)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2292929-2292989-2292994--03769-2297049
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

470 Gedanken zu Alfred Lemms: Der Weg des Deutsch]uden. Preisgabe alles Jüdisch-Nationalen. Kein völliges ״Untertauchen״ (wie einst der berüchtigte Vorschlag eines Berliner Assimilanten lautete) und Verschwinden des ganzen Stammes kann ein Jude, er mag der Tradition noch so fern stehen* aufrichtig wünschen. Welchen Weg kann somit der Deutsch-Jude, der aus Überzeugung nicht mehr zurück zur Tradition kann, und das ist bei der Mehrzahl der Deutschen der Pall, um sich und seine Nachkommen dem jüdischen Namen und Volkskörper einzufügen und dauernd zu erhalten? Wie ist das unbewußte Streben nach Ganzerhaltung der jüdischen Seelen- und Artsubstanz in einen bewußten, aktivistischen Prozeß, in bewußte Tat umzusetzen? Hier beginnt der positive Teil der Erörterung, und zwar sind die Keformvorschläge, die Lemm vorbringt, so originell und als Echo aus dem Kreise der modernen Jung-Intellektuellen des Leipziger Kurt-Wolff-Verlages so einzigartig, daß, wie wir gleich sehen werden, es sich auch für die Leser dieser Zeitschriffc verlohnt, einen Einblick in die Gedankengänge des Verfassers zu gewinnen. Alfred Lemm setzt dem positiven Teile seiner Ausführungen die These voran: Nur dem Ostjudentum verdankt das Westjudentum seinen Fortbestand und seine Verjüngung, nur vom Osten strömen noch Kraftquellen und Lebensenergien dem Westvolke zu. (Denselben Gedanken, wenn auch mit weniger poetischem Schwung, vertritt übrigens Klatzkin in seinem neuesten Buch Probleme des Judentums, S. 46 f.) Das Ostjudentum mit seinen Massenhandlungen und seinem TJrcharakter besitzt noch den Typus des Orientalen. Sowie der asiatische Orient das Heimatland des Seins, der kontemplativen Abgezogenheit und der Ekstase ist im Gegensatz zum europäischen Okzident mit seiner mehr auf das Tun, auf die ״Patentmarke der Zweckmäßigkeit״ gerichteten Sinnesart, so besteht ein engerer Gegensatz zwischen dem noch orientalisch gerichteten Ostjuden und dem schon west, europäisch imprägnierten Deutschen Juden, dem Ostjuden eignet noch die nach innen gerichtete geistige Veranlagung,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.