Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1919)
- Date
- 1919-09-01
- Page
- Seite 469 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Gedanken zu Alfred Lemms: Der Weg des Deutsch] uden. 469 *es, um den Charakter des Judendeutschen, des national vollbewußten Deutsch-Juden vorbereiten zu helfen und der kommenden Gestaltung die Wege zu ebnen und wie läßt sich dieser Charakter mit der Umgebung in Einklang bringen? Auf diese Frage bemüht sich die obengenannte gedankenschwere Schrift des hoffnungsreichen, auch als Dichter bedeutenden, leider im Kriege jung verstorbenen Alfred Le mm eine Antwort zu finden. Die Schrift gliedert sich in vier merklich geschiedene Teile, deren erster die Theorie, deren zweiter, dritter und vierter Teil die Praxis bringt. Der erste Teil untersucht und umgrenzt gleichsam die Diagnose des Übels, worauf dann in den übrigen Teilen eine Therapie zu geben versucht wird. Zuerst werden die Symptome der Krankheit, der Typus des Krankheitsträgers festgestellt. Der größte Teil der in Deutschland lebenden Juden gehört zu jener Klasse, die aus der Erkenntnis der Haltlosigkeit und Halbheit ihres Bekenntnisses zu zwei Volksstämmen, des jüdischen und des deutschen zugleich, das Aufgehen in einen derselben ungeteilt erstreben, die ihr Heil im möglichst innigen Anschluß an das Deutschtum suchen, ohne dabei ihre jüdische Sonderart bewußt preisgeben zu wollen, das sind die sogenannten ״Assimilanten“; diese werden in ihrer jetzigen Gestalt keinen neuen Typus des ״Deutsch-Juden“ stellen können, da sie und mit ihnen der winzig geringe jüdische Einschlag gegenüber dem übermächtigen deutschen Kultureinfluß im Deutschen restlos in absehbarer Zeit verschwinden müssen. Mit jeder Generation bröckelt im Kreise der Assimilanten das Jüdische immer mehr ab, und eine völlige Nivellierung und Entnationalisierung greift bei immer sich steigender Vermischung unter ihnen Platz. Tod und Vernichtung der jüdischen Gemeinschaft müssen die Folge dieses planmäßigen Sichaufgebens werden. Aber vielleicht wollen die Assimilanten das letzten Endes? Nein, das wollen sie nicht, denn Instinkt, Kassentrieb, Selbsterhaltungstrieb, auch die Liebe zur Stammeseigentümlichkeit wirken zutiefst im letzten Assimilanten als Gegenkräfte gegen eine völlige