Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1919)
- Date
- 1919-09-01
- Page
- Seite 463 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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Über d. Zusammenhang zwischen schriftlicher u. mündlicher Lehre. 463 Man kann sich vorstellen, daß man zu einem Gegenstand durch den רצון hingezogen wird, aber nicht durch den חפץ, oder auch umgekehrt. Wenn es z. B. bei Schechem (Gen. 34) heißt: כי חפץ בבת יעקב, so war dies ein חפץ ohne רצון; denn die verstandesmäßige Überlegung wird den Menschen nicht zu etwas Schlechtem fuhren, weshalb auch in der heiligen Schrift bei der Hinneigung zum Schlechten niemals der Ausdruck רצה, sondern stets der Ausdruck חפץ gebraucht wird (wie z. B. in Jes. 66,3 ובשקוציהם נפשם חפצה), weil hier das Gelüsten über den vom Verstand beeinflußten Willen den Sieg davongetragen hat. In diesem Sinne ist auch die Stelle (Deut. 25, 7) aufzufassen ואם לא יחפץ האיש לקחת את יבמתו (oder Ruth 3,13); denn der vom Verstand geleitete Wille wird bereit sein, das Gebot Gottes zu erfüllen, aber das gefühlsmäßige Begehren hindert ihn daran, etwa deshalb, weil ihm die Schwägerin nicht gefällt, der חפץ also den רצון besiegt hat. Man kann deshalb auch dem רצון etwas befehlen, nicht aber dem חפץ; denn חפץ ist eine Funktion des Gefühls, das der Mensch nicht in seiner Gewalt hat. Wohl aber kann man ihm befehlen, seinen רצון einer Sache zuzuwenden, d. h. sich den Wert und den Nutzen einer Sache vorzustellen, so daß sie seinem Verstand zusagt. (Wir finden deshalb auch in der ganzen heiligen Schrift das Zeitwort חפץ niemals im Imperativ, wohl aber das Wort רצה.) Aber ein solcher Befehl kann ihm nur in bezug auf den eignen Willen erteilt werden; mit Bezug auf den Willen eines andern würde er einen Zwang, also die Aufhebung der Willensfreiheit bedeuten. Auf Grund dieser Voraussetzungen werden uns die Worte des Sifra klar werden. Aus den Worten יקריב אותו wird gefolgert, daß man ihn zwingt. Diese Folgerung beruht auf der feststehenden Regel, daß es Sprachgebrauch ist, das betonte Wort im Satz voranzustellen. Ein Zeitwort, * das bereits im Satz vorkam und nur nebenher wiederholt wird, wird stets nachgestellt. Wir würden deshalb hier die Reihenfolge erwarten לרצונו יקריב אותו, weil der Nachdruck auf dem Wort לרצונו liegt, das ein neues Moment enthält, während יקריב ja in dem vorher- 32*