Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1919)
- Date
- 1919-09-01
- Page
- Seite 458 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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458 Ans dem Leben der Schule. ...—. . - 1 die schon den nächsten Generationen als besonders bedeutend erscheinen werden. Goethe sagt einmal von der Natur, sie sei unergründlich, weil kein Einzelner sie begreifen könne; vielleicht könne es aber die Menschheit als Gesamtheit. Ähnlich möchte ich von den Versuchen einer philosophischen Darstellung des Judentums meinen: keiner von ihnen ist ganz vergeblich oder, wie das der Spießbürger nennt, ״überholt“; aber keiner hat —־ bedingt durch zeitliche und persönliche Schranken — mehr als einzelne Züge darstellen können von dem großen, unausschöpfbaren Gesamtbild. Was der Talmud vom einzelnen Bibelvers sagt, gilt vom Judentum als Ganzem: dem Felsen gleicht es, aus dem jeder neue Hammerschlag neue Funken sprühen läßt. An der geschichtlichen Betrachtung des Doppelkampfes des Judentums um seine äußere und innere Selbstbehauptung wird sich, glaube ich, das wenige aufreihen lassen, was wir unseren Primanern von der Geschichte ihrer Väter sagen können. Denn von jüdischer Dichtung kann nur ganz gelegentlieh die Bede sein (etwa bei der Besprechung der Feiertage); vom Talmud und Schulchan Aruch wird im Zusammenhang mit antisemitischen Vorwürfen und in der systematischen Beligionslehre gesprochen; aber der Versuch, Geschichte der Halacha ohne Quellenlektüre zu treiben, wäre ganz unfruchtbar und ist vielleicht am meisten schuld an den Bedenken, die man manchmal gegen den jüdischen Geschichtsunterricht überhaupt hört. — Freilich erfordert die nähere Ausführung der beiden (häufig einanderzu fruchtbarer Verknüpfung berührenden) Leitlinien doch wohl Hilfsmittel, wie wir sie bis jetzt noch nicht haben; wenn auch manches sehr Brauchbare neuerdings erschienen ist. Wenn im profanen Geschichtsunterricht, wie zu hoffen, weiterhin Quellenlektüre gepflegt wird, so werden sich die jungen Leute gern durch Sulzbachs sachkundig zusammengestellte (aber leider sehr teure!) ״Bilder aus der jüdischen Vergangenheit“ in das Leben ihrer Vorfahren einführen lassen; sehr wertvolle Dienste werden einer Betrachtung, wie wir sie Vorschlägen, die ״Denkmäler jüdischen Geistes“