Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1919)
- Date
- 1919-09-01
- Page
- Seite 457 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Aas dem Leben der Scbnle. 457 Menelaos und ihrer Sippe zusammenwirft. Aber gerade der Lehrer, der sich jener Gemeinschaft der Suchenden nicht fern fühlt und Jünglinge heranbilden möchte nicht nur zur Betrachtung des Stromes jüdischer Geistesarbeit, sondern möglichst dazu, daß sie selbst Weile werden in seinem heiligen, ewigen Flusse — gerade er muß neben dem Recht, ja, der Notwendigkeit der Problemstellung Phiions auch die Gefahren aufweisen, zu denen solche philosophische Betrachtung des Judentums stets führen wird, namentlich aber dann, wenn sie mit unzulänglichen Mitteln unternommen wird. Gerade Philon macht sie uns sehr anschaulich. Wohl weiß er klar und energisch darzustellen, daß die Forderung des Monotheismus, die jede Weltbetrachtung auf wissenschaftlicher Grundlage — natürlich auch die griechische — erheben muß, im Judentum ihre Erfüllung gefunden hat; wohl ist ihm der erzieherische Wert der Bibel und die ethische Bedeutung ihrer sozialen Gesetzgebung deutlich: aber da er nicht fest genug im Boden jüdischer Bildung wurzelt, von der Bibel nur die Thora gründlich kennt und auch diese nur aus der mangelhaften griechischen Übersetzung, führt er selbst den Monotheismus nicht ohne Einschränkung durch und macht dem Dämonen- und Sternenglauben seiner Zeit bedenkliche Zugeständnisse, statt dieser Zeit selbst zum Führer zur Wahrheit zu werden; er deutet die Humanität der stoischen Ethik mit den sonderbarsten allegorischen Kunstgriffen in die schlichten Erzählungen der Genesis hinein, ohne das biblische Gebot der Nächstenliebe auch nur einmal zu zitieren. Die Betrachtung eines Mannes, über den die Geschichte ihr Urteil gesprochen hat, wird unsere Schüler wohl ahnen lassen, wie aller Wahrscheinlichkeit nach spätere Geschlechter über so manchen Versuch einer wissenschafÜichenBehandlung der jüdischenLebensanschauung urteilen werden, der mit voller Beherrschung der modernen Kultur und echter Liebe zum Judentum unternommen wurde, aber doch weit mehr in der Zeitphilosophie als im jüdischen Erleben wurzelt und deshalb manchen Eigenwerten des Judentums nicht gerecht geworden ist — vielleicht auch gerade solchen,