Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1919)
- Date
- 1919-09-01
- Page
- Seite 456 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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456 Aus dem Leben der Schule. unsere Jünglinge erst an die palästinischen Hellenisten zur Zeit der Makkabäer erinnern? Aber gerade die Geschichte der Auseinandersetzung des Judentums mit dem Hellenismus zeigt, daß jene oberflächliche, auf bloßer Nachahmungssucht beruhende Form der Entwertung jüdischerWerte nicht die einzige ist. Neben den elenden Affen halbverstandener griechischer Kultur (»den Griechlein“, wie die Römer sie nannten), neben den Strebern im erkauften Hohenpriestergewand, die der Ethik der Propheten nicht minder spotteten wie derjenigen Platons — neben solchen »hellenisierten Juden“, die in Wahrheit weder Juden noch hellenisch gebildet waren, standen (und stehen) Männer, die stolz waren auf den Gottesglauben und die reine, streng von ihnen geübte Sittlichkeit des Judentums — und die zugleich aus den von ihnen hochverehrten griechischen Philosophen gelernt hatten, daß ״der Mensch gut sein soll, um dem gütigen Gott möglichst ähnlich zu werden“ und daß die Krone der Weisheit und Sittenreinheit nicht feil sein darf um alle Schätze der Erde. Wahrlich: ich schätze sie hoch, die Philon von Alexandrien und wie sie alle hießen und heißen, die nicht bloß unvermittelt die Thora neben den ״Derech erez“ stellen wollen, sondern eine Synthese beider, ein Kulturjudentum (wie wir7s mal nennen wollen) mit heißer Seele suchen, aus glühender Liebe zu allem Hohen und Reinen, was göttliche Offenbarung und menschliches Sinnen geschaffen. Und es schwillt mir maifchmal das Herz, wenn fromme und unfromme Einfalt solche Adelsmenschen von reinem Wollen und heiliger Treue zur jüdischen Gemeinschaft mit den Jason, eine griechisch-katholische Kapelle steht, weil die erste Gemahlin des letzten Herzogs von Nassau eine russische Prinzessin war. — Methodisch ist der Versuch, Motive biblischer Personen durch eine Übersetzung ins moderne verständlich zu machen, ganz vortrefflich. Und man braucht nur den Vergleich zu Ende zu denken, um — sehr gegen Comills Absicht — das Recht und die Bedeutung des Eifers Elias zu erweisen: was würden die Wiesbadener gesagt haben, wenn ihr Herzog seiner Gattin zuliebe Menschenopfer gutgeheißen hätte, wie sie im Baalskult vorgeschrieben — freilich auch in so mancher Kapelle mit goldener Spitzkuppel sanktioniert wurden! ז