Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1919)
- Date
- 1919-09-01
- Page
- Seite 449 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus dem Leben der Schule. 449 Rus dem Leben der Schule. Von Dr. I. Heinemann in Breslau. III. Zum Unterricht in der jüdischen Geschichte. Einzelnes aus der nachbiblischen Geschichte erfahren die Kinder schon in sehr zartem Alter. Des Juden Kalender ist eben nicht bloß sein ״Katechismus״, sondern auch sein Geschichtsbuch — das einzige, das er jahrhundertelang mit Liebe und Erfolg studiert hat; so hören denn auch unsere Kleinen zu Chanuka, zum 9. Ab, zur Omerzeit von Glück und Leid ihrer Väter. Die Erwähnung der Tannaim in Haggaaa und Pirke Aboth gibt Anlaß zu Ausblicken auf ihr Leben. Zweifach ist die Ergänzung dieser Bilder auf den oberen Stufen. Zunächst tritt neben das Biographische das Zuständliche, Unpersönliche. Es gilt anschaulich zu machen, wie ein Tag im Leben unserer Väter verstrichen ist — in biblische» und nachbiblischer Zeit. Auch hier kann und muß der Religionsunterricht von der erheblichen Besserung des Profanunterrichts Nutzen ziehen und sich nicht auf den viel zu schematischen Standpunkt stellen, Kinder oder Halberwachsene hätten nur für persönliche Schicksale Interesse. Jeder Lehrer weiß, wie gern und geschickt dreizehnjährige Mädels ״einen Tag auf der Ritterburg״ zu beschreiben wissen, nach vorheriger Darbietung des Materials natürlich; und ich halte es für erheblich notwendiger, daß unsere Jugend vom Leben ihrer eigenen Vorfahren ein anschauliches, farbenfrohes Bild gewinnt, als daß sie auf Ritterburgen Bescheid weiß. Ja, eine solche Darstellung ist die beste, m. E. sogar unentbehrliche Vorarbeit für manche wichtige Kapitel der systematischen Religionslehre. Ich denke z. B. an die Behandlung der Frauenfrage. Es kommt durchaus nicht nur darauf an, nach bekannten Forderungen der Bibel das jüdische Frauenideal zu schildern, sondern zu zeigen, wie es die Frau in biblischer Zeit tatsächlich gehabt hat, wie sie als junges Mädchen geachtete Arbeit zu leisten hatte, als Gattin im Guten wie im Bösen (Abigail — Isebel!) den größten Einfluß auf den Mann und das Hauswes«n