Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1919)
- Date
- 1919-09-01
- Page
- Seite 438 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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438 Das Sündenbewußtsein. und liegt dir nicht so fern. Es ist nicht im Himmel, daß du sagen könntest: wer wollte für uns in den Himmel steigen* es uns holen und es uns vernehmen lassen, daß wir danach tun. Und es ist nicht jenseits des Meeres1), daß du sagen könntest: wer wollte für uns über das Meer fahren, es uns holen und es uns vernehmen lassen. Sondern es liegt dir sehr nahe: Durch deinen Mund und dein Herz ist es auszuführen. Durch die Fülle der Gebote war es gegeben, daß das Sündenbewußtsein auch in dem Frömmsten lebendig blieb. Nicht als ob die Gebote als Last empfunden worden wären. Jenes Gerede von der ״Last des Gesetzes“ konnten nur Männer aufbringen, die niemals einen Blick in die Tiefe jüdischer Frömmigkeit getan. Es ist in seiner Haltlosigkeit auch schon oft genug aufgezeigt worden. Aber der Fromme, der der stets gefühlten und geübten Pflicht nachkam חשבון הנפש Beehnungsablage mit seiner Seele zu halten, mußte oft bangen, ob er nicht in dem viel verzweigten und gerade für die feineren Seelenregungen so leicht zu übertretenden Pflichtenkreis es an den strengen Forderungen habe fehlen lassen. Man hat auch hier dem Judentum einen Strick daraus gedreht, daß jede Sünde eben infolge der zahlreichen Gebote immer Tatsünde sei und jede Tatsünde auf eine Einzeltat ziele, aus dem Umstände, daß es eben nur eine Summe einzelner Tatsünden gebe, habe sich die rehgiöse Selbstbeurteilung zersplittert, so daß es für das Judentum nicht recht eigentlich einen sündigen Zustand des Menschen, eine sündige Beschaffenheit als solche, Einzelgebot der!תמזובד, von dem in dem vorhergehenden Abschnitt die Eede ist. ידמובת in 30,1 und 30,2 ומובת sind nicht als Vordersatz zu nehmen, sondern als Nachsatz, als Gebot, das hier als solches ausdrücklich formuliert wird. Vgl. Ramban und Sfomo z. St. ג) Nicht wie man in dem Parallelismus der Antithese erwarten sollte: und es ist nicht im Scheol, denn dieser wäre für den lebenden Menschen auch nur durch ein Wunder zu erreichen. Es soll aber aus. gedrückt werden, daß es nicht nur kein Wunder, sondern nicht einmal ungewöhnliche Aufwendungen, Strapazen, wie eine ferne Reise, verlangt, nicht 5רחקד.