Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 425 (sequence 103)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Oskar Baum: Die böse Unschuld. 425 Personen unsere Herzenssprache reden und von jüdischem Blute durchpulst sind. Genau so sind die Romane der Handel- Mazzetti echt katholisch oder protestantisch, unbeschadet ihres dichterischen Wertes und trotz ihres Bekenntnisses zu einem bestimmten Glauben. Dies hat mit, dem übelberüchtigten Tendenzroman nichts zu tun, denn über dem einseitigen Glaubens- Standpunkt kann und muß dem wahren Dichter das objektivkünstlerische Streben stehen, und seine Gestalten müssen ebenso aUgemein menschliches wie jüdisches oder katholisches Interesse in uns erwecken. Wir fragen also: Was ist an unserem vorliegenden Werke jüdisch? Zunächst steht fest: Diese zwei oder drei Menschen, um die sich die Achse des Romans dreht, haben äußerlich wenig Jüdisches an sich, auch ihre Gefühlsweit und Lebensauffassung ist nicht spezifisch jüdisch. Aber dennoch findet der genaue Beobachter bei den Hauptpersonen, Julius Budweiser und Ella Rest und selbst bei der angeblich verführten Mali Beinstein, dem tragikomischen Opfer des Selbstbetrugs, einen tiefen jüdischen Einschlag, und trotz äußerer, allgemein menschlicher Gewandung, bietet das Buch einen Spiegel der jüdischen Volksseele und Denkungsart. Gewiß, keine Ghettogeschichte ist hier geboten; von Frömmigkeit, Gottesinnigkeit, von jüdischen Kultushandlungen und Festen, jüdischen Spracheigenheiten und dergleichen ist wenig vorhanden. Und dennoch ist das soziale Milieu, die ganze soziale Schichtung und Charakteristik der Personen im Grunde jüdisch zu nennen. Ihre Handlungsweise hat jüdisches Gepräge und jüdische Geistesart. Wir meinen, wie sich dieser Julius in seine Ella verliebt, das bei aller Entflammtheit rein Verstandesmäßige ihres Siehfindens, diese Begeisterung, in Eis gekühlt, dies, will uns bedünken, ist ein Kriterium der meisten jüdischen Ehen, und dies nicht zu ihrem Schaden. Erst müssen ihre Geistesrichtung, ihr Intellekt, ihre großen und kleinen Liebhabereien hübsch übereinstimmen, des einen Geist und Witz muß sich an dem des andern letzen, ehe das seelische Band zwischen den Liebenden hergestellt ist. Die Realistik in der Liebe, das Tachlis-Moment, ist das Bedeutsame gemeiniglich