Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 423 (sequence 101)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Oskar Baum: Die böse Unschuld. 423 Menschheit aus der materialistischen Auffassung, an die Erhebung zu einer hohen geistigen Warte, an die Verinnerlichung des Menschen. Eine solche Auffassung von der Aufgäbe des Germanentums wird mehr Bestand und Erfolg haben als die alldeutsche Betonung deutsch völkischer Eigenart und Nationalität, und sie wird dem Deutschtum zu wirklicher Größe verhelfen. [Ü!ii1i1n!11n1i!!n11!!n1111ii1if! Oskar Baum: Die böse Unschuld. Ein jüdischer Kleinstadtroman. (Verlag Hütten & Loening, Frankfurt a. M. 1918.) Von Dr. Armin Blau, Hamburg. Ein liebreizendes Buch, mit zarter, pastellartiger Farbenführung und vielen liebenswerten Menschen, mehr Idyll als Homan, mehr Stimmungsbild als festgefügte Handlung. Die Erfindung des Stoffes ist gering an Tiefe wie an Ausdehnung: Das Buch erzählt von einem jungen Prager Studenten, angehendem Doktor, der zu den Ferien zu seinen Eltern in die Kleinstadt kommt, dort die Bekanntschaft einer jungen Prager Dame, die dort auf Sommeraufenthalt sich befindet, erneuert und sich natürlich in sie verliebt, bald aber unter der jüdischdeutsch-böhmischen Kleinstädterei der lieben Mitbürger arg zu leiden hat. Da lebt im Städtchen nämlich ein braves, liebes Mädchen (die böse Unschuld!), Tochter armer Leute aus ״besserem“ Stande, mit der Julius Budweiser — so heißt der Held — früher gut befreundet gewesen ist, und von der sich die Leute erzählen, sie sei von Budweiser in anderen Umständen. Alle Welt glaubt es, ein schlimmer Stadtklatsch entwickelt sich, es kommt beinahe zu dramatischen Verwicklungen, und dabei ist das Tragikomische an der Geschichte, daß der Beschuldigte weiß, daß er völlig unschuldig zum 29*