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Jeschurun · 1919-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1919) · p. Seite 421

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1919)
Date
1919-07-01
Page
Seite 421 (sequence 99)
Language
German
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Das deutsche Beispiel. 421 hätten? Sie haben von Anfang des Krieges an mit Begeisterung als Kämpfer ihre Pflicht getan. Und wenn sie, die von jeher zu einem großen Prozentsatz im geschäftlichen Leben standen, in der Zeit der großen Gewinne, die dem Handel und der Industrie zufielen, davon Nutzen gezogen haben, so kann man ihnen daraus keinen Vorwurf in ihrer Eigenschaft als Juden machen. Wenn man ihnen aber vorhält, daß sie in den revolutionären Parteien so zahlreich vertreten sind und vielfach an der Spitze der extremsten Richtungen stehen, so vergißt man, daß man sie zu dieser Gesinnung durch die vor-־ ausgegangene Anfeindung gezwungen hat. Überhaupt haben die Juden von Alters her ein ungemein starkes soziales Empfinden. Ist doch die ganze Gesetzgebung der Israeliten von dem Gedanken der ausgleichenden Gerechtigkeit erfüllt und in so vielen Vorschriften das Mitleid mit den Armen und Bedrückten zur Erscheinung gebracht. In jedem Juden, auch dem ärmsten, ist das Gefühl der Gleichberechtigung aller Menschen lebendig, schlummert eine innere Auflehnung gegenüber dem von der ganzen Welt anerkannten Unterschiede zwischen arm und reich, niedrig und angesehen. Im Ghetto gab es keine so krassen Unterschiede zwischen hoch und gering. Dort wurde jeder nach seiner Wohltätigkeit und nach seinem Wissen geachtet, also nach seinem inneren Wert gewürdigt, und der Gebildete stand immer dem Reichen hinsichtlich der Ehren, die die Gemeinde zu vergeben hatte, gleich. Die Juden haben bei ihren unendlich oft erlittenen Verfolgungen, wenn man sie vertrieb und beraubte, nicht den Mut verloren. Sie haben ihrem Besitz nicht nachgetrauert, sondern waren froh, wenn sie das nackte Leben retten konnten. Weil sie sich innerlich zu erheben verstanden, vermochten sie auf den Trümmern neu ihr Dasein aufzubauen. Nicht hassen sollte das deutsche Volk die Juden, es sollte von ihnen lernen, wie Menschen aus Not und Gefahr sieh erretten können. Eine große innere Mission müßte einsetzen, um die Deutschen ihrer Religion zuzuführen, um alle die entsetzlichen Untugenden zu verdrängen, die unser Volk

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