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Jeschurun · 1919-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1919) · p. Seite 418

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1919)
Date
1919-07-01
Page
Seite 418 (sequence 96)
Language
German
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4-18 Das deutsche Beispiel. Das deutsche Beispiel. Von Sanitätsrat Dr. Leopold Feilchenfeld, Berlin. Ich weiß nicht, wie der entsetzliche Krieg auf die Psyche der siegreichen Völker gewirkt hat. Die weite Verbreitung der hetzerischen Blätter in England und Frankreich spricht für den günstigen Boden, den die Drachensaat des Hasses und der Verrohung dort gefunden hat. Und die Gleichgiltigkeit, mit der die Völker der ganzen Erde der Vergewaltigung Deutschlands durch einen unmenschlichen, grausamen Frieden Zusehen, ist ein Beweis für den niedrigen Standpunkt, den die Menschheit mit Rücksicht auf das Gemeingefühl und die Barmherzigkeit erreicht hat. Aber einen richtigen Maßstab für diesen Tiefstand können wir doch nur gewinnen, wenn wir die Psyche des so schwer geprüften, geschlagenen und in namenloses Unglück geratenen deutschen Volkes betrachten. Hier können wir feststellen, was von der Festigkeit des Charakters, der Gradheit der Gesinnung, der Reinheit der Sitten im Niedergang der nationalen Größe erhalten blieb, und was mit der wirtschaftlichen Vernichtung zugrunde gegangen ist. Die Frage ist berechtigt und muß gestellt werden: wo sind die sittlichen Fesseln geblieben, an denen das Wohl verhalten des deutschen Volkes verankert lag? Was blieb vom Germanen־ tum übrig? Wohin sind die Ideale des deutschen Volkes geraten, die der Leitstern für. sein Handeln waren? Was hat die christliche Religion geleistet? Welchen Halt, welche Hilfe hat dem Volke der Dichter und Denker seine geistige Vergangenheit gebracht? Alles ist in die Brüche gegangen. Nichts von Liebe, nichts von aufrechtem, ehrlichem Streben, nichts von vernünftigem Wollen in dem Chaos der Zertrümmerung. Wir erleben es täglich schaudernd, was aus einem arbeitsamen, rechtlichen Volke geworden ist. Wir sehen die Abwege, auf die das verbrecherische Treiben der früheren Machthaber unser unglückliches Volk gedrängt hat. Wir stehen vor der Tatsache, daß fünf Jahre des Elends und der Ver- - zweiflung genügten, um eine solche Verwirrung der Geister

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