Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 404 (sequence 82)
- Language
- German
- Belongs to
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404 Die Einheit des Judentums. Ja, es kann geschehen — wir haben es schon erlebt, daß auch diese letzte Konsequenz nicht ein absolut sicherer Weg ist, um diesen Kampfplatz zu verlassen, den einzigen, auf dem ein ganzes Volk um nichts als sittliche Forderungen streitet, mit keinen anderen Argumenten als — Ideen. Die Idee jedoch, die dieses einzigartige Bild der jüdischen Gegenwart gestaltet, ist ein altes Postulat, das die Judenheit seit dem Begiün ihrer Tage begleitet: Die Idee der Verpflichtung. Mag für uns toratreue Juden das jüdische Volk, wie es sich jetzt darstellt, nur als ein Zerrbild des עם קדוש gelten; unzweifelhaft ist es aber: So lange diese Verpflichtung, die, so wenig sie auch so mancher für sich als lebengestaltendes Prinzip erachtet, doch auch von ihm gegen den anderen erhoben wird, so lange die Anerkennung dieser Idee der Verpflichtung — so groß und so weit wie der Kampfplatz — als die jüdische Forderung erhoben wird, kann von einer Atomisierung, von einer Aufhebung der Einheit des jüdischen Volkes nicht die Bede sein. Und ebenso sicher ist es, daß aus diesem Bewußtsein der Verpflichtung, je klarer es aus der Latenz hervortritt, die allmälige Gesundung resultieren d. h. der Tag herbeigeführt wird, an dem Judenheit und Jüdisches Volk eins sind, indem diese jüdische Gemeinschaft ihr Leben nicht als ein Leben des Kampfes, sondern der Synthese mit dem ihr eigenen Ideenkomplex — dem Judentum —־ gestaltet, dem echten, vollgelebten Judentum der Zukunft, von dem unser heutiges Dasein, ach nur so wenig, weiß. ״Denn dich verhüllen uns?re Hände, So oft dich unsre Herzen offen sehn“.