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Jeschurun · 1919-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1919) · p. Seite 400

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1919)
Date
1919-07-01
Page
Seite 400 (sequence 78)
Language
German
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400 Die Einheit des Judentums. darstellen, so wird zumindest historisch rücklaufend auch die materialistische Geschichtsforschung den zuerst ausgesprochenen Satz anerkennen müssen, daß Judentum der der Judenheit gesetzte Ideenkomplex ist. Und auch der materialistische Politiker, Klatzkin etwa, vermag, indem er den Versuch macht, für die Zukunft das Gegenteil zu erweisen, doch nicht mehr und nichts anderes, als einen neuen nur andersartigen Beweis für seine Gültigkeit zu geben — ein circulus vitiosus. Denn was Klatzkin (vergl. sein letztes Buch Probleme des modernen Judentums) schafft, ist nicht geeignet, den Ideenkomplex als solchen an sich auszugliedern, sondern er setzt nur rieben den alten kurzweg einen neuen — den der Formen. Und hier ist der Ort, gleichzeitig auf den wesentlichen Unterschied hinzuweisen, den wir heute zwischen ״Judenheit“ und ״Jüdischem Volk“ wahrnehmen. Denn haben wir aus der Definition des Begriffes ״Judentum“ entnommen, daß ״Judenheit“ die Gemeinschaft zu nennen ist, welche den ihr eigenen Ideenkomplex mit ihrem Leben zur Synthese zu bringen erstrebt, so wird man das jüdische Volk, wie es sich uns jetzt darstellt, als die Gesamtheit der verschiedenen, als Parteien wirkenden ״Judenheiten“ bezeichnen müssen, die zur Einheit zu erheben, jede dieser Gemeinschaften in seinem Ideenkomplex unternimmt. Es ist nun die Tragik dieser Erstrebungen, daß wie oben gezeigt, die Idee in der Sphäre des Kampfes nicht nur synthesierendes, sondern auch differierendes Moment ist, wobei gerade der Kompromiß noch die Scheidungen vervielfacht (Misrachi). H. Wer jedoch auch auf Grund dieser Erkenntnisse die einheitliche Idee zunächst zu Grabe trägt, die Idee der Einheit wird er deshalb noch lange nicht aufgeben und sie nur auf anderem Wege suchen, indem er etwa, kurzweg Realitäten konstatierend, über diese hinaus die objektiv feststehende Tatsache des gemeinsamen historischen Erlebens für die einheitlichende (d. h. hier die allen Juden gemeinsame)

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