Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 399 (sequence 77)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Einheit des Judentums. 399 Nun ist eine Idee aber etwas durchaus unorganisches und daher völlig illabiles d. h. auch unentwickelbares (die Idee einer Zwergfichte ist und bleibt die Idee einer Zwergfichte und läßt sich trotz aller inneren Verwandtschaft nicht in die Idee einer Biesenfichte ״fortentwickeln״). Dies wird zuweilen einem gewissen Teile der Gemeinschaft nicht verborgen bleiben, und er wird dann den Gemeinschaftsgenossen, welche die ״organische Fortentwicklung״ propagieren, entgegenhalten, daß sie, anstatt das Leben der Gesamtheit im Geiste der Idee zu gestalten, die Idee im Sinne des ״Lebens״, oder was man darunter versteht, umzuformen versucht, und bei der oben festgestellten Stabilität der Idee dann tatsächlich das ״Leben“ (oder ein ״Lebensideal“) zur ersetzenden Idee erhoben haben. Es wird von dem beharrenden Teile das Schisma konstatiert werden, ohne daß deshalb zumeist der historische Anspruch der Gemeinschaft als Vertreter der ihr eigentümlichen Idee auf jedes einzelne ihrer Glieder fallen gelassen wird. Daneben gibt es auch nicht selten Nivellierungspolitiker, welche die Divergenzen als solche zwischen Majoritäts- und Minoritätsprogrammen zu charakterisieren versuchen. Welche von den drei möglichen Entscheidungen die einzelnen Glieder der betreffenden Gemeinschaft für sich treffen. t■ r ist fast stets mehr Sache des Temperaments als solche des Intellekts. Man wird dieser Darlegung der ״Entwicklungsgeschichte einer Idee“ Schematisierung vorwerfen. Dies ist mir nur recht. Denn ״Schematisieren״ ist das Zurückführen von Vorgängen auf ihre gemeinsamen Grundformen. Und darum eben handelte es sich. Denn wenn gewisse Vorgänge sich in einer Entwicklungsreihe perennierend wiederholen, so wird man wohl von einem Kausalnexus sprechen müssen. Wenn in der jüdischen Geschichte die Höhen und Tiefen der Wellenlinie, in der nach der Hegelschen Erkenntnis die geschichtliche Entwicklung ihren Weg nimmt, ganz offenbar sich als der Wechsel von Synthese und Divergenz von Jude und Judentum, von Volkskörper und Ideenkomplex