Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1919-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1919) · p. Seite 398

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1919)
Date
1919-07-01
Page
Seite 398 (sequence 76)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2292929-2292989-2292993--03694-2296973
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

398 Die Einheit des Judentums. oder in seinen einzelnen — sich als מ Judenheit“ bezeichnenden — Teilen dieser Idee gegenüber einnimmt, die Kontrolle gegeben sein, ob diese Idee der Einheit — Einheitswirklichkeit bereits geworden ist, oder ob sie es noch ist. Denn eben darum handelt es sich. Wir werden es ablehnen müssen, Wechsel auf die Zukunft oder gar verfallene anzunehmen. Wir werden vor allem unklare oder sei es auch recht deutliche Kundgebungen von Gefühlen irgend einer gedachten Einheit nicht anders denn als Symptome einer tatsächlichen Einheit werten können. Denn Einheit, auch die Einheit von Ideen, ist durchaus eine Realität und als solche dem Intellekt erfaßbar. So unverrückbar wir an der ״Ideensetzung״ festhalten müssen, wollten wir nicht Judentum und Judenheit in dasselbe mystisch-irreale Halbdunkel versetzen, in dem sich heute unter dem Titel ״Hellenentum״ Athen und Sparta als Einheit repräsentieren, so werden wir doch im folgenden nicht gut an den Anschauungen Vorbeigehen können, die von anderen Voraussetzungen gefaßt und zu anderen Zwecken dargelegt, im Judentum wirkend, jüdisches Leben gestalten. I. Wird eine Gemeinschaft den Versuch machen, oder wird an ihr der Versuch unternommen, sie auf eine programmatisch ausgesprochene Idee zu einigen, so wird sich stets ergeben, daß diese Idee, sowie sie aus ihrer Verbannung in das Programm zum Aufbau von Gedanken- und Lebensstrukturen erlöst wird, ein bestimmtes Eigenleben erhält, das mit dem Leben der Gemeinschaft zu einigen, als historische Aufgabe der Gemeinschaft betrachtet oder abzulehnen erstrebt wird. Aber selbst wenn eine strikte Ablehnung gar nicht erfolgt, wird doch niemals allen Gemeinschaftsgliedern diese gewünschte Synthese gelingen. Anstelle der Synthese wird dann der Kompromiß versucht, der beileibe nicht als solcher gedacht oder beabsichtigt, ist, -sondern als ״organische Fortentwicklung״ der Idee.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.