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Jeschurun · 1919-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1919) · p. Seite 395

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1919)
Date
1919-07-01
Page
Seite 395 (sequence 73)
Language
German
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Gesetz und Freiheit. 395 strenge Recht war von Simon und Levi eingeführt worden. Ihre Schwester Dinah war vom Köngssohne der Chiwi vergewaltigt worden. Er wollte nach Landessitte die Tat mit ihrer Ehelichung wieder gutmachen. Das erschien aber Dinahs Brüdern nicht als genügende Sühne. Sie waren aufs äußerste empört: ״Eine Schande hat er Israel angetan, zu vergewaltigen die Tochter Jakobs, und das durfte nicht geschehen.״ (I. B. M., IL 34, Y. 7.) Es mußte ein Exempel statuiert werden, damit künftig die Töchter Israels vor Vergewaltigung sicher seien. Und mit dem Schwerte schufen sie — auf Jahrhunderte — ein neues Recht für die Töchter Israels. Sie fürchteten nicht, wie ihr Vater, die Rache ״der Bewohner des Landes, der Kenaani und Perisi (denn ich bin ein ]deines Häuflein, sie werden sich gegen mich versammeln und mich vertilgen, mich und mein Haus“), die Ehre der Schwester stand ihnen höher als ihr eigenes Leben: ״soll man wie mit einer Dirne mit unserer Schwester verfahren“ antworten sie dem ängstlichen Vater — und der Erfolg gab ihnen recht. Hatten sie doch naturgemäß mindestens die halbe Bevölkerung auf ihrer Seite — die weibliche, und wahrscheinlich auch die Mehrzahl der Väter und Brüder, wenn sie dekretierten: ״Das darf nicht gesehehen!“ Und so begründeten sie — wenigstens für Israel — die Freiheit des weiblichen Geschlechtes. Die Praxis behielt noch lange das von den Brüdern Dinahs eingeführte Recht bei. Noch zu Davids Zeiten läßt Absalon seinen Halbbruder Amnon töten, weil er seine (Absalons) Schwester Tamar vergewaltigt hat (H. Samuel, K. 13, V. 32) — auch ein Beweis dafür, wie langsam Sitten sich durch Gesetze ändern lassen, und wie notwendig es war, daß die Thora auf die Sitten, die sie vorfand, Rücksicht nahm. Immerhin aber muß die Sittlichkeit in Israel auch damals über derjenigen der es umgebenden Völker gestanden haben, denn Tamar sagt zu Amnon: ״Nicht doch, mein Bruder, bezwinge mich nicht, denn so geschieht nicht in Israel, tue nicht diese Schandtat.“ (V. 12b

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