Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 396 (sequence 74)
- Language
- German
- Belongs to
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396 Die Einheit des Judentums. Immer hat die Moral in Israel höher gestanden, £,ls diejenige der es umgebenden Völker. Hätte es sonst auch einen Sinn gehabt, ihm ein Gesetzbuch in die Hand zu geben, das Anforderungen stellte, die ihrer Zeit so weit voraus waren?! Die Aufstellung eines Ideals hat erst dann Aussicht auf annähernde Verwirklichung, wenn schon Ansätze zu seiner Verwirklichung vorhanden sind. Andernfalls muß es an der Verständnislosigkeit derer scheitern, denen es gepredigt wird. Bei Mattan Thora war der Boden bereits so weit vorbereitet, daß sie auf ihm gedeihen konnte. Wir Spätgeborenen, die wir die Früchte der Bechtsentwieklung von Jahrtausenden genießen, wollen auch derer dankbar gedenken, die den Boden für die Gesetzgebung bereitet haben und damit geschaffen haben ״der Freiheit eine Gasse“. Geschichtlich folgt die Gesetzgebung der Befreiung, praktisch folgt die Freiheit dem Gesetz. ״Die Einheit des Judentums". Von J. Simonsohn. Breslau. Indem ich dieses niederschreibe, Schon warnt mich was, daß ich dabei nicht bleibe: Faust I. Es bedarf wohl kaum der Versicherung, daß obiges Zitat nicht als Motto für die gesamten folgenden Ausführungen gedacht ist; daß der darin ausgesprochene Zweifel jedoch, der sich gegen die Fassung des Titels und der in ihm begründeten Problemstellung richtet, ein recht wesentlicher Impuls für einen nicht geringen Teil der einleitenden Ausführungen ist, wird bald klar werden. Zunächst die naheliegende, wenn auch, wie es scheint, etwas an'der Oberfläche bleibende Frage: Kann denn für den thoratreuen Juden die Einheit des ״Judentums“ überhaupt