Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 377 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2292929-2292989-2292993--03673-2296952- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Salomon Kajjem Kaddisch, der erste kurbrandenburg. Landrabbiner. 377 dürften dem Israel Aaron im Handel keinen Eintrag tun1). In den österreichischen Juden sah er eine Konkurrenz, und er sorgte dafür, daß der Rabbi nicht aus ihrer Mitte genommen wurde. In der Kurmark gab es bisher keinen Rabbiner, wohl aber in der an die Kurmark anstoßenden Neumark, und zwar in Landsberg. Dieser war der nächste Rabbi5 denn Salomon Jonas2) in Halberstadt, das durch den westfälischen Frieden dem Kurfürsten zugefallen war, wohnte zu weit entfernt. Israel drang daher darauf, daß der Landsberger Rabbi ״beibehalten" wurde — er war also bereits vor 1672 als Rabbiner der Neumark anerkannt — und das Rabbinat der Kurmark mit übernahm. Durch die Konzessionierung der österreichisehen Juden sollte für den Rabbi keine Änderung eintreten,. der Landsberger auch über diese gesetzt sein. Die österreichischen Juden Berlins fühlten sich mit Recht beunruhigt. Sie hatten unter sich einen Mann von rabbinischer Autorität wie Model Rieß3), den früheren Schnaittacher Rabbiner und Wiener Rabbinatsassessor, und nun setzte ihnen Israel Aaron einen ״vermeinten Rabbi“, den obskuren Landsberger Rabbiner, zum geistlichen Oberhaupte. Sie erkannten darin Israel Aarons ״übele Intentiones“, wie viele Schwierig- ג) Schutzbrief für Abraham Rieß und Bendix (Benedict) Veit v. 12. Sept. 1671 (bei Geiger, Gesch. d. Juden in Berlin I, 5 und IE, 7 irrtümlich vom 8. Sept.): ״Endlich gleich wie ihnen zwar obbeschriebener Maßen zü handeln und zu wandeln verstattet wird, also sollen sie ihrem Erbieten nach dem Juden Aaron in seinem Handel keinen Eintrag zu thun schuldig seyn.a Ebenso in den Schutzbriefen für Lazarus Israel v. 28. Dez. 1671 und Moses Leif Lipschütz aus Helmstedt vom 11. Juni 1672, nur daß in den beiden letzten Fällen die Worte ״ihrem Erbieten nach“ fehlen. In den andern Schutzbriefen wird nicht auf Israel Aarons Handel Bezug genommen; es war kein stehender Zusatz, wie Geiger I, 5 angibt. Übrigens starb der Hofjude bereits am 8. Nov. 1673. 2) Mit dem Beinamen Reinbach, seit 1655 in Halberstadt, Kabbi seit 1661. 5) Vater des Abraham Hieß. Ob Salomon (Meschullam Salman) Fränkel-Mirels, der spätere Habbiner von Altona-Hamburg ־Wandsbeck, bereits 1672 in Berlin ansässig war, ist nicht sicher. Er wird dort urkundlich erst 1674 genannt.