Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 372 (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
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372 Aus dem Leben der Schule. Während über die Notwendigkeit des hebräischen Grammatikunterrichts, soweit er sich irgend einrichten läßt,, wohl kein Zweifel herrscht, wird m. W. der Talmudunterricht nirgends auf grammatischer Grundlage erteilt. Muß das sein? Gewiß: man hat Jahrhunderte lang ohne aramäische Grammatik ״Gemoroh gelernt“ und gute Erfolge erzielt: aber mit wieviel mehr verfügbarer Zeit! Sollte sich nicht auch an der talmudischen Literatur die .Regel bewähren, die sieh in jedem Sprachunterricht, auch im hebräischen, hat feststellen lassen: daß eine auf grammatischer Kenntnis beruhende Lektüre, soweit überhaupt durchführbar, im Anfang mehr Zeit fordert, später aber schnellere und namentlich sicherere Ergebnisse erzielt als ein mechanisches Übersetzen2)? (Fortsetzung folgt.) *) Es ist vielleicht nicht ganz überflüssige Vorsicht, wenn ich ansdrücklich feststelle, daß die im Text erhobene Forderung nichts weniger bezweckt, als an Stelle des hergebrachten ״Lernens“ eine Talmudphilologie treten zu lassen, wie man sie inzwischen (nach der ersten Niederschrift dieser Zeilen) aus ganz anderen Gründen empfohlen hat. Auch die Vertreter der grammatischen Methode im hebräischen Unterricht haben ja wahrlich nicht ״Alttestamentler“ heranbilden wollen, sondern fromme Bibelleser, denen durch methodischen Gang des Unterrichts die ewigen Quellen jeder יראה leichter erschlossen werden sollten. So soll die Unterweisung in der aramäischen Grammatik, mag sie neben oder (z. T. wenigstens) vor der Talmudlektüre erfolgen, nur das Talmudstudium erleichtern, nicht mehr noch weniger; und solche Gesichtspunkte werden ja wohl auch einen Mann wie den unvergeßlichen Luzzatto zur Ahfassung der ersten Grammatik des Talmudisch-Aramäischen wesentlich bestimmt haben. Sollten allerdings aus der Pflege des Aramäischen im Schul- und Hochschulunterricht Männer hervorgehen, die in der Weise, wie es J. Barth ז״ל in vorbildlicher Weise beim Bibel- Studium gelehrt hat, mit den religiösen Interesse das wissenschaftlichlinguistische zu verbinden und eine so dringende Aufgabe, wie die Her- Stellung eines zuverlässigen, wissenschaftlichen Ansprüchen genügenden Talmudtextes wenigstens vorzubereiten wissen, — so wäre das nach meiner Ansicht eine höchst erwünschte Folgeerscheinung eines — aus rein didaktischen Rücksichten von mir zur Erörterung gestellten — unterrichtlichen Verfahrens.״