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Jeschurun · 1919-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1919) · p. Seite 371

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1919)
Date
1919-07-01
Page
Seite 371 (sequence 49)
Language
German
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Aus dem Leben der Schule. 371 Je günstiger die Verhältnisse liegen, um so mehr wird es gelingen, den Übersetzungsunterricht auf die unbedingt wünschenswerte Grundlage genauer Sprachkenhtnis zu stellen. Eine wesentliche Erleichterung bieten wir aber in jedem Falle beim Bibelübersetzen unseren Schülern, wenn wir sie möglichst früh daran gewöhnen, nach den Neginoth zu lesen. Natürlich habe ich auch von den Mädchen die Kenntnis der wichtigsten trennenden Akzente verlangt und öfter einen neu durchzunehmenden Satz zuerst im Chor mit richtigen Absätzen lesen lassen; die Klasse hat sich leicht und willig daran gewöhnt 1). *) Wiiamowitz-Moellendorff schreibt einmal in der Einleitung zu einer seiner Übersetzungen, er habe sich an die deutsche Interpunktion nicht gewöhnen wollen: die hebräischen Akzente verdienten zweifellos den Vorzug. Man sollte auf der obersten Stufe einmal eine Stunde darauf verwenden, den Vergleich durchzuführen, und den Schülern zeigen, daß die Neginoth in der Tat weit mehr leisten als ein bloßes Interpunktionssystem (von ihrem musikalischen Sinn ganz abgesehen). Gerade was ihr Mangel zu sein scheint: daß. ihre Gesetze lange nicht so fest sind wie die der modernen Interpunktion, ein hebräischer Satz also auf sehr verschiedene Weise richtig akzentuiert werden kann, — gerade das lenkt den Blick auf ihren größten Vorzug: sie bringen nicht die abstrakte Logik des Denkinhalts des Satzes zum Ausdruck, sondern geben den lebendigen Strom der Bede wieder — und der kann beim selben Satze grundverschieden sein. Man mache sich den Unterschied etwa bei dem zweiten Satze des Sch’ma klar; er ist im Hebräischen so interpungiert (die Bedeutung der von mir eingeschalteten Zeichen erklärt sich von selbst): Und־lieben־sollst־du/ den Ewigen deinen-Gott// mit-deinem-ganzen-Herzen deiner-ganzen-Seele und-deinem-ganzen-Vermögen. Die moderne Interpunktion würde nur nach ״Herzen“ absetzen, in offenbarem Widerspruch zu der Betonung des Satzes bei ausdrucksvollem Vortrag oder vielmehr in völligem Verzicht auf die Anschmiegung an die wirkliche Bedeweise, in der die Eigenart des hebräischen Systems besteht. Eben deshalb erleichtert ein den Akzenten gemäßes Vorlesen das Verständnis eines unbekannten Satzes so ungemein. — Gänzlich überflüssig ist natürlich die Beibehaltung der Akzentuation der Psalmen in unseren Gebetbüchern; wer sie verwerten kann, findet sie in seiner Bibel. Im Gebetbuch, das auch in der Schule benutzt werden soll, könnte man sehr wohl die Satzmitte durch אתנחתא markieren.

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