Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 370 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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370 Ans dem Leben der Schule. widrig für Hophaiformen hält: man muß ihm sagen, daß auch der Kal ursprünglich genau so gut sein Passiv hatte wie Piel, Hiphil und Hithpael (denn der Niphal ist ja eine Form für sich!), und daß dies Passiv im arabischen etwa juhtabu (es wird geschrieben) lautet, die oben erwähnten Formen also zweifellos als Beste des ausgestorbenen passiven Kal anzusehen sind. Oder: der Schüler wird leicht dazu neigen, ein so häufiges Wort wie מלאך als eine der seltenen Ausnahmen vierbuchstabjger Stammbildung anzusehen; man mag ihm ruhig sagen, daß es sich um eine Bildung wie מנעל handelt und der zugrundeliegende Stamm לאך im Hebräischen ausgestorben, im Arabischen aber erhalten ist. Die Schüler unserer höheren Lehranstalten (und nur solche habe ich hier im Auge) erfahren namentlich im deutschen Unterricht von solchen ausgestorbenen Bildungen und Wurzeln so viel, daß sie für derartige knappe Winke Verständnis und Interesse zeigen werden. Und wenn, wie anzunehmen, aus dem gleichen Unterricht den Schülern der Zusammenhang zwischen Wortentlehnung und Sachentlehnung geläufig ist, so mag der Lehrer im Bibel- und Talmudunterricht gelegentlich ähnliche Gesichtspunkte heranziehen1): wie bezeichnend ist z. B., daß נדוניא Mitgift (aller Wahrscheinlichkeit nach) aus dem assyrischen nudunnu stammt (wo ndn dem hebräischen נתן entspricht); während in biblischer Zeit der Ehemann dem Vater der Frau einen מהר bieten (bzw. im Unvermögensfalle eine Zeit lang bei ihm Dienste tun) muß, hat sich in Babylonien unter dem Einfluß veränderter Wirtschaftsverhältnisse die Sitte der Mitgift herausgebildet; mit der Sache ist seit dem Exil das Fremdwort übernommen worden, das ja gelegentlich noch heute in der Umgangssprache benutzt wird. z) Mit vollem Hecht weist Pick (Talmudische Glossen zu Delitzschs assyrischem Handwörterbuch S. 15) darauf hin, daß der babylonische Ursprung der Engels- und Monatsnamen schon im Talmud anerkannt wird. Selbstredend kann, namentlich im Gymnasiastenunterricht, auch auf die Fremdwörter aus dem Griechischen in ähnlicher Weise kurz eingegangen werden.