Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 369 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus dem Leben der Schule. 3^9 haupt aber sollte der Schüler dazu erzogen werden, für jede Unregelmäßigkeit Beispiele aus bekannten, namentlich auswendig gelernten Abschnitten beizubringen, sei es auch nur, damit er merkt, daß die Grammatik (so gut wie die Moral!) kein von den Erscheinungen losgelöstes Sonderdasein führt, sondern nur dazu da ist, auf die Erscheinungen angewandt, zu ihrer Deutung benutzt zu werden. Das schließt natürlich nicht aus, daß auf der obersten Stufe gelegentlich von der Eigenart und dem Wert der hebräischen Sprache im allgemeinen gesprochen wird. Aus dem deutschen Unterricht wissen die jungen Leute, daß manche Zeitwörter Ableitungen mit der Bedeutung des Veranlassens bilden können; fallen erzeugt fallen, sinken: senken, trinken: tränken u. dgl. m. Man mag darauf hinweisen, daß solche Hiphilbildungen im Hebräischen nicht bloß als erfreuliche Ausnahmen, sondern bei der großen Mehrzahl der Verba auftreten, und man mag auch den Vorzug aufzeigen, der in der leichten Bildung eines verstärkten Stammes liegt. Im Zusammenhang mit solchen Betrachtungen läßt sich dann unschwer erweisen, inwieweit Herders Lob der hebräischen Sprache als berechtigt anzusehen ist. Vor der Verwertung der wissenschaftlichen Grammatik im Schulunterricht ist im allgemeinen zu warnen; nur manchmal ist sie zur Vermeidung offenbarer Irrtümer des Schülers wohl heranzuziehen. So darf man natürlich nicht durchgehen lassen, daß er Formen wie ירן ח ,יתן für Pualbildungen (also Passiva von einem nicht vorkommenden Piel!) oder gar bedeutungsähnliche Erfahrungen habe ich übrigens beim Lateinsprechen mit Primanern und jungen Mädchen (die sich besser anstellten als ihre männlichen Kameraden) gemacht; im neusprachlichen Unterricht, in welchem die Lektüre den Stoff zur Unterhaltung über das tägliche Leben liefert, liegen die Verhältnisse natürlich erheblich günstiger. Doch möchte ich niemanden von vorsichtigen Versuchen abschrecken; sollte ein Kollege dank der Benutzung besserer Lehrmittel, als sie mir s. Z. zur Verfügung standen, mit geringerem Zeitaufwand ausreichende Erfolge erzielt haben, so sollte mich das von Herzen freuen.