Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 368 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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368 Aus dem Leben der Schule. werden solche Übungen vielfach zur Einprägung der sog. jüdischdeutschen Orthographie benutzt, sodaß die Kinder das hebräische Wortbild tatsächlich ganz aus dem Gedächtnis verlieren 1). Ehe man vom Schüler die Lektüre unpunktierter Mischnatexte fordert, sollte man, wenn irgend möglich, fleißige Übungen im Tikkun veranstalten, die sich, glaube ich, noch ziemlich lange mit Nutzen fortsetzen ließen. Endlich sollte man den außerordentlichen Vorteil systematisch ausnützen, den das Auswendigkönnen von Gebet- und Pentateuchstücken für den Sprachunterricht bietet. Wir brauchten eine Grammatik, die etwa bei der Lehre von unregelmäßigen Zeitwort zunächst alle diejenigen Formen zusammenstellte, die der Schüler bereits empirisch kennt; es würde sich sehr bald ergeben, daß das eine ganze Menge ist; wieviel Hülfe leisten etwa die ersten Abschnitte des Tischgebets mit Formen wie נבוש ,זוננו ,מכין ,מטיב ,זן bei der Einübung und namentlich bei der Befestigung der Flexion der schwierigen Verba 2ע״ו)! Über- ג) Ich habe diese Übungen an meiner Anstalt leider aufgeben müssen, da hier die Mädchen hebräisch Schreiben nach den Bosenthalerschen Heften gelernt haben, einem technisch vorzüglichen Hülfsmittel, das aber leider die jüdisch-deutsche Bechtsehreibung zum Schaden der hebräischen einprägt: die Folge war, daß die Abschriften der Schülerinnen mehr der mandäischen Buchstabenschrift als der hebräischen Silbenschrift entsprachen, und die Fehler einfach nicht herauszubekommen waren. Ich habe für meine Bedenken auch bei den für die Herausgabe der Hefte verantwortlichen Persönlichkeiten volles Verständnis gefunden und darf zu meiner Freude die Hoffnung aussprechen, daß die Hefte, sobald die wirtschaftlichen Verhältnisse es zulassen, in einer Form erscheinen werden, in der sie dem Sprachunterricht die wünschenswertesten Dienste leisten werden. *J Über den Wert des hebräischen Sprechunterrichts für die Befestigung der Kenntnis der Bibelsprache kann ich aus eigener Erfahrung nicht abschließend urteilen. Die geringen Versuche, die ich unternommen habe, erwecken in mir den Eindruck, daß solche ״Konversationsübungen״ sehr viel Zeit fordern, wenn sie zu einem befriedigenden Ergebnis führen sollen; so erwünscht sie neben dem Unterricht im klassischen Hebräisch zur Einführung in das Neuhebräische sind, etwa in besonderen Kursen für besonders interessierte und befähigte Schüler, so habe ich gegen ihre Einführung in den hebräischen Schulunterricht Bedenken. Ganz