Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 364 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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364 Aus dem Leben der Schule. gestellt, als wolle er sie freigeben, nur um die Plagen loszuwerden״. Trude: ״Nein; als er es versprach., hatte er wirklich die gute Absicht; aber nachher fiel ihm ein, daß die Juden so gute Knechte seien — und da hat er eben sein Wort gebrochen״. Nach kurzer Diskussion und Abstimmung Frage des Lehrers: ״Kennt ihr vielleicht Kinder, die, um aus einer unangenehmen Lage zu kommen, Dinge versprochen, aber dann nicht gehalten haben״? Anni: ״Jawohl! Ein Kind soll ins Klassenbuch eingetragen werden; es verspricht brav zu sein — und ist dann doch ungezogen״ .״Ja, hat nun Emmy oder Trude recht? Hat das Kind, als es das Versprechen gibt, die Absicht, sein Wort zu brechen oder zu halten״? Und nun gibt Stephanie den Ausschlag: ״Es hat überhaupt keine feste Absicht: es will nur den Eintrag los sein; was aus seinem Versprechen wird, soll sich später finden״. Wie von hier aus der Schlüssel zu der Beurteilung Pharaos, aber auch zu derjenigen der kindlichen Missetäterin gefunden wurde, die besser getan hätte, bei der ersten statt bei der (nunmehr unausbleiblichen) zweiten oder zehnten ״Plage״ zu gehorchen — das brauche ich nicht zu erzählen: die ganze Unterhaltung war sehr lustig und hat (nicht trotzdem, sondern eben deshalb) nachhaltiger auf das sittliche Urteil der Kinder gewirkt als irgend eine Katechisation über Halsstarrigkeit mit Bibelversen. Selbstredend hat aber eine solche Unterredung die genaue Vertrautheit der Schüler mit dem Sachverhalt zur Voraus- Setzung; i^d daher glaube ich, daß das Miterleben dieses Sachverhaltes durch die Kinder in den erwähnten Aufführungen kein Nachteil, sondern die beste Unterlage für eine erzieherisch immer nur von ״den Zwölfen“ gesprochen. Übrigens verlohnt vielleicht auch die Bezeichnung ״frühere“ bezw. ״spätere Propheten“ eine Berichtigung: gemeint sind vordere und hintere Prophetenbücher; denn natürlich meint auch der ärgste Bibelkritiker nicht, daß das 1. Kapitel Jesaja nach den Büchern der Könige verfaßt sei. — Ich streife diese Kleinigkeiten, weil ich gern einen Trennungsstrich ziehe zwischen echter Pietät und der Gedankenlosigkeit, die offenbar Falsches weitergibt, weil sie zu faul ist, es zu ändern.